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Der Kongo und die Gründung des Kongostaates.

Arbeit und Forschung

Von

Henry Morton Stanley ( John Rowlands )1841 -1904

Inhalt

Schreiben Stanley's an den Verleger der deutschen Ausgabe

NEWSTEAD ABBEY.
NOTTINGHAM. 18. April 1885

Geehrter Herr Brockhaus !

Am Vorabend meiner Abreise nach Amerika, nach einer dreizehnjährigen Abwesenheit von dort, erhalte ich Ihre Aufforderung, eine Vorrede zu meinem Buch speciell für die deutschen Leser zu schreiben. Meine Vorrede ist schon geschrieben; sie ist kosmopolitisch und international gehalten, und dazu angetan, den Leser in den Inhalt eines internationalen Buches einzuführen. Sie werden aus dem Geiste derselben ersehen, dass ich alle Unternehmungslustigen darauf hinzuweisen suche, wie Afrika von einem kommerziellen Gesichtspunkte aus anzuschauen ist. Ich wünsche nicht, irgendwelche müssige Gemälde zu schauen, sondern sie anzuleiten, den interessanten Gegenstand im Hinblick auf ihren Nutzen zu studieren. Die ganze Schilderung ist mit strenger Rücksicht auf Wahrheit geschrieben worden, — auf völlige und unbestreitbare Wahrheit. Ich bin der nebelhaften Berichte über Geographie oder Geologie oder andere ologien überdrüssig, geschrieben von unreifen Dilettanten in afrikanischen Angelegenheiten, die Afrika und dessen Aussichten zu beurteilen sich anmassen, einfach weil sie mit Maulwurfsaugen über den Wasserausfluss eines einzelnen Kongobaches blickten; ich bin es müde, zu hören, dass ein Fehlschlagen in jemand die Sucht erregt, über das arme Afrika zu klagen, einfach weil er, der arme Tropf, weder seine eigene Constitution oder das Geheimniss der Natur verstand, noch je die Kunst des Lebens und Handelns auffand. Ihre jungen Leute werden directe ihnen erteilte Ratschläge finden; Ihre kühnen Kaufleute werden erfahren, wie mau eigentlich afrikanische Märkte zu betrachten hat, und Jene, die gezögert haben, ein Absatzgebiet in den Tropen zu suchen, werden mit Hilfe des ihnen erteilten klaren Rates in den Stand gesetzt werden, meine Ansicht vom Klima zu teilen, die dahin geht, dass es sehr falsch beurteilt worden ist.

Ich benutze diesen Anlass, um die unermessliche Befriedigung auszudrücken, welche ich empfand, als alle meine alten Vorurteile betreffs Deutschlands sich in leere Luft auflösten nach meinem persönlichen Besuche von Berlin, Köln, Frankfurt und Wiesbaden. Wenn meine deutschen Leser nach dem Lesen dieser Bände, welche Sie jetzt herauszugeben im Begriff sind, ebenso frei von Vorurteilen wären in Bezug auf das arme, alte und vielgeschmähte Afrika, wie ich jetzt frei bin von denen, welche meine Unkenntniss einst genährt hatte, so würde das eine Krönung meines Zwecks und die Erfüllung meiner Hoffnung sein. In jedem Fall, obwohl ich nicht viel Neues in diesem Schreiben an Sie vorzubringen habe, ergreife ich hier die günstige Gelegenheit, zu sagen, dass meine Aufnahme in Deutschland geradezu unübertrefflich war, dass ich allen meinen freundlichen Wirten und Wirtinnen für immer verbunden bin, und dass Ihre Zuhörer gewiss die warmherzigsten von der Welt sind.

Allen diesen meinen Freunden in Deutschland, welche den fremden Reisenden so gütig und herzlich bewillkommneten, rufe ich mein Lebewohl zu.

Ihr aufrichtig ergebenster

Henry M. Stanley.

Quelle:Henry M. Stanley. Herrn F. A. Brockhaus.1885, von rado by jadu

K VIII
K IX
K X
K XI
K XII
K XIII
K XIV
K XV
K XVI
K XVII
K XVIII
K XIX
K XX
K XXI
K XXII
K XXIII
K XXIV
K XV