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Der Kongo und die Gründung des Kongostaates.

Arbeit und Forschung

Von

Henry Morton Stanley ( John Rowlands )1841 -1904

Inhalt

Kapitel IV

Die Internationale Afrikanische Association

Gründung der Association. — Rücktritt der englischen Mitglieder. — General Sanford's Schilderung der Association. — Meine ersten Beziehungen zu derselben. — Meine Instructionen für Herrn Cambier. — Kareina, eine blühende Station. — Meine Instructionen für Kapitän Popelin. — Vorschläge für die Organisation einer Expedition. -Abreise von Sansibar. — Abfahrt des Dampfers „Albion'' nach dem Kongo.

Die Gründung der Internationalen Afrikanischen Association fand statt, als ich noch im Herzen des äquatorialen Afrika war. Ich bin deshalb gezwungen, auf die gedruckten Berichte über die Gründung Bezug zu nehmen, und citire aus den Verhandlungen der Londoner Königlichen Geographischen Gesellschaft vom Juli 1877 das Folgende:

Der neue Impuls zur Afrikaforschung wurde in der am 12., 13. und 14. September 1876 in Brüssel abgehaltenen Conferenz gegeben, zu welcher Se. Maj. der König der Belgier eine Anzahl der hervorragendsten Geographen der wichtigsten europäischen Länder eingeladen hatte. Es waren auf der Conferenz Vertreter Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, Belgiens, Frankreichs, Grossbritanniens, Italiens und Russlands anwesend, und es wurde als Resultat ihrer Berathungen beschlossen, eine Internationale Commission mit dem Sitz in Brüssel zur Erforschung und Civilisirung von Centralafrika zu bilden, sowie, dass jede Nation, welche zur Mitwirkung geneigt sei, nationale Comites erwählen möchte, welche jährliche Beiträge für den gemeinsamen Zweck sammeln und Delegirte zur Internationalen Commission schicken sollten, um auf diese Weise die Ausführung der Beschlüsse der letztem zu erleichtern.

Belgien war das erste Land, welches ein Nationalcomite ernannte, dessen Mitglieder am 6. November 1876 unter Vorsitz des Königs zusammentraten. In dieser Versammlung wurden die Statuten formulirt und angenommen, welche im Eingange auseinandersetzen, dass das Comite gebildet worden sei, um innerhalb der Grenzen Belgiens das Programm der internationalen Conferenz — welches als „die Unterdrückung des Sklavenhandels und die Erforschung Afrikas" bezeichnet wird — zur Ausführung zu bringen. Das Comite wandte sich mit einem Aufrufe zu Beiträgen an die Bewohner Belgiens und erzielte damit beträchtliche Erfolge.

Als mau in England die Organisation eines ähnlichen Comites discutirte, befürchtete man Schwierigkeiten, und hielt es deshalb für wünschenswert!!, dass eine solche Commission, welche freundschaftlichen schriftlichen Verkehr mit dem belgischen und den übrigen Comites unterhalten sollte, sich nicht durch Verpflichtungen internationaler Art binde oder sich mit ändern als geographischen Zwecken beschäftige. Infolge dieses Beschlusses wurden keine Delegirten zur Internationalen Commission in Brüssel ernannt.

Deutschland bildete auf Grund der Beschlüsse der internationalen Conferenz in Brüssel ein Nationalcomite in Berlin, das am 18. December 1876 die Gründung der Deutschen Afrikanischen. Gesellschaft beschloss, welche dieselben Zwecke verfolgt wie die Internationale Commission, nämlich 1) die wissenschaftliche Erforschung der unbekannten Regionen Centralafrikas: 2) die Erschliessung des centralen Afrika für Civilisation und Handel; und 3) die Aufhebung des Sklavenhandels. Die Geschäfte der Gesellschaft werden von einem Vorstand besorgt, dessen Präsident Prinz Heinrich VII. Reuss, dessen Schriftführer Dr. Georg von Bunsen ist, und dem als Mitglieder ferner noch die Herren Dr. Nachtigal, Delbrück, Dr. A. Bastian, Dr. Herzog, Baron von Richthofen, Dr. Roth und Dr. "W. Siemens angehören. Die Gesellschaft unterhält Beziehungen zur Internationalen Association in Brüssel und hat die Herren Dr. Bastian, Dr. G. von Bunsen und Baron von Richthofen zu Delegirten für Deutschland erwählt.

Die Gesellschaft soll aus Gründern und Mitgliedern bestehen; erstere sind diejenigen, welche derselben ein Geschenk von 300 Mark überweisen, während Mitglieder alle die sind, welche einen jährlichen Beitrag von 5 Mark und mehr leisten; alle Corporationen, Kammern und wissenschaftlichen Gesellschaften sind in ihrer Eigenschaft als Corporation als Mitglieder zulässig, wenn sie einen entsprechenden jährlichen Beitrag zahlen.

Was die Verwendung der von der Gesellschaft angesammelten Fonds betrifft, so ist beschlossen worden, dass nur ein Theil des jährlichen Einkommens an die Internationale Commission abgeführt werden soll, während der grössere Theil für deutsche Entdeckungs- und Forschungsreisen in Afrika reservirt wird. Wie bei der belgischen Commission wird der Hauptzweck des deutschen Unternehmens die Gründung von Stationen im Innern Afrikas sein, die theils als Basis für die Operationen der Reisenden dienen, theils die Mittelpunkte für die Ausbreitung der Civilisation und des Handels bilden sollen.

Auf die Einladung des Königs der Belgier trat die Internationale Commission der Afrikanischen Association am 20. und 21. Juni dieses Jahres in Brüssel unter dem Vorsitze Sr. Majestät zusammen. Es waren Delegirte aller Nationen, welche auf der im September 1876 abgehaltenen Conferenz vertreten gewesen waren, erschienen, mit Ausnahme von Grossbritannien und von Russland, dessen Nationalcomite die Abwesenheit seiner Vertreter damit entschuldigte, dass es mit den ihm von der eigenen Regierung übertragenen Arbeiten zu stark beschäftigt sei. Zum ersten mal waren auch Delegirte der Niederlande gekommen. Während der beiden Tage wurden verschiedene Detailfragen eingehend erörtert, unter ändern) wurde die Wahl der Flagge für die Association getroffen und die Frage einer Reduction des Ueberfahrtspreises der verschiedenen Dampfschiffahrts- und Handelsgesellschaften, die in Verbindung mit afrikanischen Küstenplätzen stehen, zu Gunsten der Mitglieder von Expeditionen besprochen. Bezüglich des letztern Gegenstandes kündigte der italienische Delegirte Signor Adamoli an, die italienische Regierung habe in ihren Contracten mit den Schiffahrtsgesellschaften die Anordnung getroffen, dass allen Mitgliedern wissenschaftlicher Expeditionen eine Herabsetzung des Passagepreises bewilligt wird. Ferner bemerkte Herr Versteeg, einer der niederländischen Delegirten, dass die Directoren der „Afrikaansche Handels-Vereeniging" in Rotterdam sich bereit erklärt hätten, das für die verschiedenen Expeditionen bestimmte Gepäck kostenfrei zu befördern und die Mitglieder der Expedition in ihren Factoreien gastfrei aufzunehmen.

Dann wurde vom Schriftführer der Bericht über die finanzielle Lage der Association verlesen, aus welchem hervorging, dass das belgische Nationalcomite der Centralcommission bereits 287000 Francs an Geschenken und 44000 Francs an jährlichen Beiträgen überwiesen habe, welche Beträge das Comite im laufenden Jahre noch um 11000 resp. 58000 Francs zu erhöhen versprochen hatte. Die Geschenke und ein Theil der Jahresbeiträge sollen zinstragend angelegt und nur die Zinsen zu Zwecken der Association verwendet werden; auf diese Weise wird das Executivcomite nach der Berechnung des Schatzmeisters für das Jahr 1877 73000 Francs zur Verfügung haben. Es wurde deshalb der sofortige Beginn der Operationen beschlossen, und zwar sollen eine Expedition über Sansibar nach dem Tanganjika-See, um entweder am See selbst oder an bestimmten Punkten jenseit desselben Stationen anzulegen, und ferner Reisende ausgeschickt werden, welche diese Stationen zu Ausgangspunkten ihrer Forschungen machen werden. Der Entwurf der detaillirten Instructionen wird dem Executivcomite überlassen, welches mit der Leitung der Operationen der Association beauftragt ist.

Nationalcomites, welche mit der belgischen Internationalen Commission cooperiren, sind ferner noch in folgenden Ländern gegründet worden:

Frankreich Präsident Graf de Lesseps;
Oesterreich-Ungarn Präsident Kronprinz Rudolf;
Italien Präsident Herzog von Piemont;
Spanien Präsident Se. Maj. König Alfonso;
Schweiz Präsident Bouchier de Beaumont;
Russland Präsident Grossfürst Constantin;
Holland Präsident Prinz von Oranien;
Portugal Präsident Herzog von San Januario.

Das österreichisch-ungarische Comite hat einen ersten Beitrag zu den Fonds der brüsseler Commission in Höhe von 5000 Francs eingesandt.

Da die Engländer aus Besorgniss, durch Verpflichtungen internationalen Charakters sich zu binden, von der Association zurückgetreten waren, wurden die Vereinigten Staaten zur Theilnahme an der weitverbreiteten geographischen Unternehmung eingeladen, worauf in Newyork eine Zweiggesellschaft mit Eichter Daly als Präsident gegründet wurde, dem später Herr Latrobe aus Baltimore, einer der Gründer von Liberia, im Amte folgte. General H. S. Sanford aus Florida, welcher die Stelle von Sir Bartle Frere als Vertreter der englischsprechenden Völker einnahm, äussert sich in einem vom 24. März 1884 datirten Briefe an den Senator Morgan über die Internationale Association in folgender Weise:

Geehrter Herr!

In Beantwortung Ihrer Bitte um genauere Information über den Ursprung und die Zwecke der Internationalen Afrikanischen Association habe ich die Ehre Ihnen mitzutheilen, dass dieselbe ihre Entstehung dem König der Belgier verdankt, welcher im September des Jahres 1876 eine Conferenz hervorragender Afrikareisender verschiedener Nationalität nach seinem Palast in Brüssel berief, um über die besten Maassregeln zur Erschliessung des äquatorialen Afrika für die Civilisation zu berathen. Das Resultat dieser Conferenz, welche die Anlage von Stationen empfahl und eine permanente Centralorganisation mit Zweiginstituten in ändern Ländern ins Leben rief, war die Berufung einer Commission oder eines Congresses, der im Juni 1877 im Palais zu Brüssel zusammentrat und zu dem Delegirte aus Oesterreich, Belgien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz. Spanien und den Vereinigten Staaten erschienen waren. Es wurde ein Executivcomite, bestehend aus je einem Vertreter der englischsprechenden, der deutschen und der lateinischen Rassen, und zwar den Herren Henry S. Sanford aus Florida, Dr. Nachtigal, dem berühmten Afrikaforscher aus Berlin, und de Quatrefages vom Institut de France in Paris, unter Vorsitz des Königs gewählt und die Maassregeln zur praktischen Ausführung der Zwecke der Association berathen und beschlossen.

Dieselben bestehen in der Organisation von Zweigcomites in den verschiedenen Staaten Europas und in Amerika, welche dazu dienen sollen, die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Unternehmen zu lenken und unter der Flagge der Association, für welche ein blaues Feld mit goldenem Stern gewählt wurde, „gastfreundliche und wissenschaftliche Stationen" zu gründen. Auch wurde beschlossen, mit der Anlage der Stationen an der Ostküste, in Sansibar, zu beginnen und dieselben quer über den Continent nach den Seen fortzusetzen.

Ein Auszug aus den Verhandlungen, welche besagen, was diese Stationen sein sollen, die eine Postenkette von Ocean zu Ocean zu bilden bestimmt sind, kennzeichnet am besten die Zwecke der Association.

„Was die Stationen sein sollen. Das Executivcomite erhält von der Internationalen Association vollständige Freiheit des Handelns bei Ausführung der allgemeinen Bestimmungen zur Gründung von wissenschaftlichen und gastfreien Stationen. Das Personal einer Station soll aus einem Chef und einer gewissen Anzahl Beamten bestehen, die von dem Executivcomite ausgewählt oder bestätigt werden. Die erste Sorge des Chefs der Station sollte sein, eine geeignete Wohnung herzustellen und die Hülfsquellen des Landes zu verwerthen, damit die Station sich selbst unterhalten kann.

„Die wissenschaftliche Aufgabe einer Station besteht, soweit dies ausführbar ist, in astronomischen und meteorologischen Beobachtungen, der Anlage von geologischen, botanischen und zoologischen Sammlungen, dem Zeichnen von Karten der Umgebungen, der Herstellung eines Wörterbuches und einer Grammatik der Landessprache, in ethnologischen Forschungen, der Uebermittelung von Berichten eingeborener Reisender über die Länder, welche sie passirt haben, und Führung eines Tagebuchs über alle erwähnenswerthen Vorfälle und Beobachtungen.

„Die gastfreundliche Mission der Station wird sein, alle Reisenden, welche der Chef für würdig hält, aufzunehmen, sie gegen Zahlung der ortsüblichen Preise mit Instrumenten, Waaren und Proviant, sowie Führern und Dolmetschern zu versehen, ihnen Mittheilung über die besten Routen, die sie einschlagen sollen, zu machen und ihre Correspondenz weiter zu befördern. Auch ist es die Pflicht der Station, für eine möglichst rasche und regelmäßige Verbindung von Posten zu Posten zwischen der Küste und dem Innern zu sorgen.

„Einer der weitern Zwecke der Stationen wird die Unterdrückung des Sklavenhandels durch ihren civilisirenden Einfluss sein."

Das Resultat dieser Bewegung ist die Eröffnung einer, wie man sagen kann, Hochstrasse von Sansibar nach dem Tanganjika-See mit Hülfe von Kapitalien, die zum grössten Theile von den Belgiern beigesteuert worden sind; die letzte der Stationen befindet sich in Karema, an jenem See, zwei andere dazwischenliegende sind von der französischen resp. der deutschen Abtheilung der Association gegründet worden.

Nachdem Stanley im Jahre 1877 den Obern Kongo entdeckt hat, ist im Jahre darauf eine Unterabtheilung der Internationalen Association für die specielle Arbeit am Kongo unter dem Namen des „Comite d'Etudes du Haut Congo", aber unter der Flagge der Association gebildet, und es sind derselben von einigen philanthropischen Freunden der letztern eigene Geldmittel überwiesen worden. Dieses Werk, das der König der Belgier unter seinen besondern persönlichen und finanziellen Schutz genommen, hat sich zu ganz ausserordentlichen Dimensionen entwickelt und zum praktischen Resultat die Eröffnung dieser Ungeheuern, stark bevölkerten und fruchtbaren Region für die Einflüsse der Civilisation und den Welthandel, sowie die Gewissheit, den Sklavenhandel überall, wo die Flagge der Association weht, zu unterdrücken. Die einzige wirkliche Schwierigkeit bei diesem wunderbaren Unternehmen besteht darin, dass die Flagge von den Mächten nicht anerkannt ist, was zu Mißverständnissen und Mißbrauchen Veranlassung geben kann, da die die Flagge führenden Leute möglicherweise durch Personen, welche Sklavenhandel betreiben oder andere selbstsüchtige Zwecke verfolgen, in ihrer menschenfreundlichen Arbeit gehindert werden.

Ich habe die Ehre mit vorzüglichster Hochachtung zu zeichnen als

Ihr ergebener

H. S. SAnford,

Mitglied des Executivcomites der Internationalen Afrikanischen Association.

Es war mir wohl bekannt, dass Se. Maj. König Leopold II. der Gründer und der Präsident der Internationalen Afrikanischen Association und ebenso der Gründer der „Comite d'Etudes du Haut Congo" genannten Gesellschaft war, welche später als Internationale Kongogesellschaft bezeichnet wurde, und dass beide Gesellschaften denselben Schriftführer und dasselbe Bureau hatten, doch wurden beide getrennt gehalten und auch die Mittel und Beiträge getrennt verwaltet. Im Vorstand der Internationalen Association befand sich kein Brite, dagegen gehörten dem Comite d'Etudes du Haut Congo zwei wegen ihres Unternehmungsgeistes und Wohlwollens in kaufmännischen Kreisen wohlbekannte Engländer an, und es würden demselben zweifelsohne noch weit mehr beigetreten sein, wenn nicht in Verbindung mit der Aenderung des Namens der „Afrikaansche Handels-Vereeniging" in Rotterdam in den der „Afrikaansche Handels-Venootschap" ein unliebsamer Vorfall passirt wäre, für welchen das Comite d'Etudes du Haut Congo jedoch nicht verantwortlich war.

Mit der Internationalen Afrikanischen Association trat ich zuerst in Beziehungen, als ich von derselben, gerade als ich nach Aegypten abreisen wollte, um mich auf dem „Albion" einzuschiffen, ein kurzes Schreiben erhielt, in welchem ich ersucht wurde, über die erste Expedition der Association, die sich irgendwo im Lande dess Königs Mirambo in Unjamwesi in Noth befinden sollte, Erkundigungen einzuziehen. "Wenn das Gerücht sich bewahrheitete, wurde ich autorisirt, alle erforderlichen Maassregeln zur Rettung der Reisenden zu ergreifen.

Im December 1877 war ich bei meiner Rückkehr von Westafrika um das Cap den Führern der ersten internationalen Expedition in Sansibar begegnet; bald nach meiner Ankunft in Europa hörte ich jedoch, dass zwei der Reisenden das Opfer der Hitze und der Unvorsichtigkeiten geworden seien, welche unerfahrene Leute in tropischen Gegenden gewöhnlich unabsichtlich begehen. Der Befehl der Expedition war dann auf Lieutenant Cambier übergegangen, der die. Expedition glücklich in das Land Unjanjembe gebracht hatte, aber infolge von Verpflichtungen verwickelter Natur gegen einen Herrn Broyon, einen damals au der ostafrikanischen Küste sehr bekannten schweizer Handelsreisenden, auf irgendeine Weise mit Mirambo in Schwierigkeiten gerathen war.

Der „Albion" traf zur richtigen Zeit in Sansibar ein, wo es mir mit vielen Mühen gelang, den genauen Sachverhalt festzustellen, und ich Boten engagirte, um Lieutenant Cambier das folgende Instructionsschreiben zu überbringen:

Sansibar, Ostküste Afrikas.

Herrn GAMBIER, Befehlshaber der Expedition

der Internationalen Association.

Geehrter Herr!

Ich bin von Sr. Maj. dem König der Belgier und Herrn Oberst Strauch, dem Generalsecretär der Association, ersucht worden, bei meinem Besuche in Sansibar Ihnen meinen besten Bath zu ertheilen und erforderlichenfalls Ihnen und Ihren Kameraden in Afrika Hülfe zu leisten. Ich schreibe daher Gegenwärtiges in der Absicht, Ihnen mit meinem Käthe beizustellen, damit Sie aus den Schwierigkeiten gelangen, in denen Sie sich, nach Ihren und den Briefen von Dr. Dutrieux zu urtheilen, augenblicklich befinden.

Soweit ich verstehe, sind die Schwierigkeiten, mit denen Sie zu kämpfen haben, in kurzem folgende:

Sie besuchten Mirambo, den König von Urambo, Unjamwesi, und wurden dessen Freund und „Blutsbruder". Dann begegneten Sie Herrn Broyon, der mit der Karavane der Londoner Missionsgesellschaft nach Udjidji vordrang. Sie hatten 40 Traglasten in Urambo gelassen; als Sie jedoch bemerkten, wie Mirambo mehr als 300 Waarenlasten der Karavane des Herrn Broyon beschlagnahmte, hielten Sie es für gefährlich, Ihr Leben zum zweiten mal den Händen Mirambo's anzuvertrauen, und flohen demgemäss mit Herrn Broyon nach Unjanjembe; gegenwärtig befinden Sie sich in Tabora, mit der Aussicht auf einen gemeinsamen Kampf mit den Arabern gegen Mirambo.

Es ist zu bedauern, dass Sie Mirambo besucht haben, nicht weil er jederzeit die Ihnen geschworene Treue brechen könnte, sondern weil die Zwecke der Internationalen Gesellschaft nicht in jener Richtung liegen und auf einer südlichem Route weit besser hätten gefördert werden können. Sie tragen hieran jedoch keine Schuld, da Sie, wie ich höre, vom Baron Grendal den Befehl erhielten, genau so zu verfahren, wie Sie es gethan haben. Wenn Sie erlauben, werde ich Ihnen die Zwecke der Internationalen Gesellschaft kurz darlegen. Dieselbe wünscht zwischen Njangwe und der Ostküste dem sichersten und leichtesten Wege entlang, der zwischen Bagamojo und Masikamba am Tanganjika-See, sowie zwischen Mompara's Gebiet am Wege zwischen dem Tanganjika und Njangwe aufzufinden ist, Stationen anzulegen. Da die Association eine höchst friedfertige und menschenfreundliche Gesellschaft ist, können die Stationen von ihren Beamten und Agenten nicht in so exponirten Gegenden, wie die Districte in der Nachbarschaft von Unjanjembe, dem nördlichen und centralen Unjamwesi, sondern nur in Bezirken gegründet werden, die so weit wie möglich von etwaigen Kriegszügen, Besuchen der Ruga-Ruga, und Invasionen barbarischer und mächtiger Häuptlinge, wie Mirambo und Njungu, entfernt liegen. Desgleichen würde es unklug sein, in der unmittelbaren Nähe mächtiger, arabischer Niederlassungen, wie Tabora und Udjidji, Stationen anzulegen, weil die locale Politik, die Sitten und Gebräuche, das Leben und die Privilegien der Araber auf diesen Niederlassungen mit den Zielen einer friedlichen Gesellschaft wie die Internationale Association im Widerspruch stehen und eine allzu grosse Vertraulichkeit mit den arabischen Sklavenhändlern die Agenten und Offiziere der Gesellschaft in Angelegenheiten verwickeln würde, die sie nichts angehen.

Wenn die Internationale Gesellschaft in ehrenvoller und friedlicher Weise unter den gutherzigen Eingeborenen Fuss gefasst und eine ziemlich sichere Route zwischen Masikamba und der Ostküste hergestellt haben wird, ist einer ihrer Hauptzwecke erreicht, der deshalb zuerst verfolgt werden sollte, ehe man andere Schritte unternimmt. Bei Erwägung Ihrer Lage bemerke ich, dass Sie Gelegenheit haben, der Internationalen Gesellschaft diesen grossen Erfolg zu sichern; wäre ich an Ihrer Stelle und besässe ich die Ihnen zu Gebote stehenden Vortheile, so würde derselbe mein erstes Bestreben sein. Sie haben reichlich Leute und genügende Mittel, um den Versuch zur Erreichung dieses wichtigen Zieles zu unternehmen. Im Jahre 1871, als die Verhältnisse noch viel verzweifelter waren als jetzt, habe ich Udjidji mit 20 Sansibarern und einigen Dutzend eingeborenen Trägern verlassen. und es ist mir trotz der Banditen Mirambo's und der Feindseligkeiten der Araber gelungen, Dr. Livingstone aufzufinden.

Herr Dutalis, welcher binnen kurzem mit der zweiten Expedition aufbrechen soll, wird Ihnen meine Beglaubigung überbringen; das rege Interesse, welches ich an dem Erfolge der internationalen Operationen nehme, sind meine Entschuldigung dafür, dass ich Ihnen meinen Bath aufdränge.

60 bewaffnete Lastträger und 20 gewöhnliche Pagasi genügen für das Unternehmen, welches ich Ihnen angedeutet habe. Ich nehme an, dass Sie 80 Lasten besitzen, bestehend aus 40 Ballen gemischter Zeugwaaren, grösstentheils Mevikani und Kaniki, und 40 Lasten Perlen, und zwar:

 
12
Säcke Sam-sam,
 
10
Säcke blaue Mutunda,
 
12
Säcke Kauriemuscheln,
 
2
Säcke weisse (Merikani) Perlen,
 
2
Säcke braune (Kadunduguru),
 
1
Sack blaue kleine (Lungia),
 
1
Sack blassrothe kleine (Lungia).
Zusammen
40
Säcke  

Wenn Sie keine so grosse Quantitäten von diesen Waaren haben, werden Sie dieselben leicht in Unjanjembe erhalten können, und wenn Sie nicht so viel Leute besitzen, wie oben angenommen, müssten Sie dieselben ebenfalls dort engagiren. Die Waaren, welche Sie zur Vorausbezahlung der Träger brauchen, sollten Sie nicht Ihrem Reisevorrath entnehmen, sondern zu diesem Zwecke von den Arabern in Unjanjembe kaufen. Ihre übrigen Lasten sollten die folgenden sein:

Zelt 1 Last
Kochutensilien 1 Last
Betten 1 Last
Munition 14 Lasten
Diverses 6 Lasten
Zusammen 23 Lasten

sodass Sie insgesammt also haben:

Zeugwaaren 40 Lasten
Perlen 40 Lasten
Diverses 23 Lasten
Zusammen 103 Lasten

Diese Vorräthe an Material würden genügen, um Sie und Ihre Expedition in Masikamba am Tanganjika-See drei Jahre zu erhalten, ohne dass Sie sich oder Ihren Leuten das zum Leben Nothwendige oder die Producte des centralen Afrika, welche für einen comfortabeln Aufenthalt erforderlich sind, entziehen.

Ich würde Ihnen rathen, sofort mit der Organisation einer solchen Expedition zu beginnen, die nicht so leicht aufgelöst und von dem ebenen Pfade der Pflicht abgeleitet werden kann. Sie sollten Herrn Dutrieux in Tabora zurücklassen, wo derselbe nach Ihrem Abmärsche eine andere Expedition bilden könnte, die irgendwo östlich von Ihnen Stellung nimmt; ausserdem glaube ich, dass, je weniger Weisse Sie bei sich haben, dies desto besser für die Interessen der Internationalen Gesellschaft ist. Sie brauchen für diese Aufgabe keinen Gefährten und keine Hülfe; Sie werden schneller vorwärts kommen, und Ihre Leute werden lieber unter dem Befehl eines Mannes, als dem zweier Weisser stehen; ausserdem haben Sie auch einfach nur eine vor den ändern befindliche Station zu besetzen und dort zu warten, bis Sie von Oberst Strauch weitere Ordres erhalten. Vor dem Abmärsche sollten Sie als Chef Herrn Dutrieux befehlen, eine Truppe von 60 Mann zu sammeln und in Bereitschaft zu halten, bis er weitere Befehle aus Brüssel oder von jemand in Sansibar, der befugt ist, ihm Instructionen zu ertheilen, bekommt; auch müssten Sie vor Ihrer Abreise darauf achten, dass Herr Dutrieux im Besitze hat:

30 Ballen Stoffe,
10 Säcke Sam-sam-Perlen,
2 ,, Mutunda-Perlen,
2 „ Merikani-Perlen,
2 ,, Kadunduguru-Perlen,
1 Sack blassrothe kleine Perlen,
1„ blaue Perlen.

Sie müssten ihn ferner instruiren, dass dies eine Reserve ist für etwaigen plötzlichen Bedarf für irgendeine andere Expedition, oder als Vorrath für ihn selbst dienen soll, wenn er seine Ordres aus Brüssel erhalten hat. Diese Reserve darf er nicht angreifen, vielmehr muss er die für seinen und den Lebensunterhalt seiner Leute nöthigen Waaren einem besondern, zu diesem Zwecke anzuschaffenden Vorrath entnehmen. Auch müsste Herr Dutrieux während seines Aufenthalts in Unjanjembe sich jeglicher Einmischung in locale Politik enthalten und einen freundschaftlichen Verkehr sowol mit den Arabern, als mit den Eingeborenen pflegen. Beifolgend erhalten Sie eine kleine Karte von einer vorzüglichen Route von Tabora nach Ihrer Station Masikamba am Tanganjika. Masikamba liegt etwa eine Monatsreise von Tabora entfernt; wie ich glaube, haben sich dort bereits drei Araber niedergelassen. Der Name des Dorfes ist, glaube ich, Karema, dessen Häuptling Masikamba ist. Ich würde Ihnen rathen, die Expedition, wie ich vorgeschlagen habe, zu organisiren und auszurüsten und innerhalb zehn Tagen nach Empfang dieses Schreibens aufzubrechen.

Nach der Ankunft in Masikamba sollten Sie sich bemühen, leihweise ein Canoe zu erhalten, dasselbe mit 10 oder 15 Eingeborenen bemannen und nach Udjidji fahren, wo Sie von Muni-Kheri oder Sultan Ben-Kassim ein grosses Canoe kaufen könnten. Ein gutes Fahrzeug würden Sie für 200 Dollars erhalten, die Sie entweder in Waaren oder mittels einer Anweisung für diesen Betrag auf Herrn Grefulhe bezahlen können. Alsdann sollten Sie Wadjidji-Matrosen miethen, die das Canoe in Ihrer Begleitung nach Masikamba bringen. Durch das Canoe werden Sie sich unabhängig von den Arabern und Eingeborenen machen und zugleich die Mittel erlangen, nach Eintreffen der Ablösung und des Befehls, westwärts vorzudringen, nach dem Gebiete Mompara's am westlichen Ufer des Sees hinüberzusetzen.

Wie gern Sie aber auch rasch die interessanten Länder westlich vom Tanganjika erforschen möchten, so würde es doch unklug sein, Masikamba vor Ankunft Ihres Nachfolgers zu verlassen, und ich empfehle Ihnen deshalb auf das dringendste, die Station nicht vorher aufzugeben. Vielleicht wird, wenn Sie den Befehl zur Fortsetzung des Marsches nach Westen erhalten, Herr Dutrieux mit seiner Karavane schon angelangt sein, sodass Sie nach Bambarre in Manjema marschiren können, während jener den Befehl von Masikamba übernimmt und die Aufgabe erhält, Sie und Ihre Expedition nach Mompara oder Uguha zu bringen. Wenn Sie dann in Bambarre eine Station angelegt haben, wird Herr Dutrieux nach einigen Wochen vom Kapitän Popelin oder Herrn Dutalis abgelöst werden, damit er Ihren Platz einnimmt und Sie nach Njangwe vordringen können. Bei einem solchen Verfahren wird die Internationale Gesellschaft sich folgende guten Stationen sichern:

Njangwe unter Ihrem Befehl;
Bambarre unter dem Befehl von Herrn Dutrieux;
Masikamba „ „ „ „ „ Dutalis;
Manjara ., „ „ „ „ Kapt. Lamborel oder
Popelin;

Djiwela-Singa unter dem Befehl eines französischen Offiziers;

Mpuapua oder eine andere Station unter dem Befehl eines Deutschen.

Die Internationale Gesellschaft wird auf diese Weise zwischen Njangwe und Sansibar eine sichere und friedliche Verbindung hergestellt haben, die von Mirambo, Njungu oder ändern barbarischen Häuptlingen nicht gestört werden kann; damit ist das Werk der Forschung und Philanthropie als begonnen zu bezeichnen, und es wird ohne Furcht vor Unglücksfällen, soweit sie nicht etwa durch Krankheit veranlasst werden, fortgesetzt werden können.

Dieser schriftliche Rath bezieht sich, wie Sie bemerken werden, nur auf die Organisation und die Bestimmung Ihrer Expedition und ist auf den besondern Wunsch Sr. Maj. des Königs und des Herrn Oberst Strauch ertheilt. Ich werde Herrn Dutalis, der mit mir nach Sansibar gekommen ist, bitten, Ihnen ausführlicher über meine Beglaubigung und weniger wichtige Angelegenheiten, die für Sie von Interesse sein könnten, zu berichten.

STANLEY, Kongo. I.

Eine Abschrift dieses Briefes sende ich an Herrn Oberst Strauch in Brüssel, der den gesammten Inhalt bestätigen und unterschreiben wird; mittlerweile werden Sie aber hoffentlich einsehen, dass es klug und weise sein würde, dem gegebenen Rathe sofort Folge zu leisten.

Ich habe noch hinzuzufügen, dass ich Ihnen den allerbesten Erfolg bei Ihrem Unternehmen wünsche, und Ihnen die Versicherung zu geben, dass Sie an dem Tage, an welchem Sie die Flagge der Internationalen Gesellschaft in Masikamba's District am Tanganjika-See aufpflanzen, einen glänzenden Erfolg für unsere humane und menschenfreundliche Gesellschaft errungen haben, sowie dass Ihre tapfern Dienste ehrenvolle Anerkennung verdienen und erhalten werden.

Ich habe die Ehre zu zeichnen als

Ihr gehorsamster Diener

HENRY M. STANLEY.

Es wird dem Leser von Interesse sein zu erfahren, dass Lieutenant Cambier diesen Brief richtig erhalten hat und auch am Tanganjika in der Nähe des von mir angedeuteten Platzes eingetroffen ist; wenn die Station auch nicht genau an der Stelle angelegt wurde, welche nach meiner Meinung gewählt werden sollte, so melden doch alle Berichte der Chefs, welche nacheinander derselben vorgestanden haben, dass Karema sich in einer höchst prosperirenden Lage befinde. Die Station hat eine in Zeiten der Noth auf Zuflucht hoffende grosse Bevölkerung in ihre Nähe gezogen, welche den Commandanten als Schiedsrichter und Friedensstifter in allen Angelegenheiten betrachtet, die ohne ihn nur durch Blutvergiessen und Raub geschlichtet werden konnten.

Die zweite internationale Expedition, welche unter dem Befehl von Kapitän Popelin von Sansibar aufbrach, ist ebenfalls während meines Aufenthalts daselbst von mir organisiert worden, während ich auf verschiedenen Excursionen auf dem Warni, dem Eufidji bis zu den Fällen hinauf, nach der Insel Mafia und dein Hafen von Dar-es-Salaam auch Lieutenant Dutalis in die bei derartigen Reisen zu befolgende Lebensweise eingeführt habe.

Auch die nachstehenden Briefe und Instructionen für Kapitän Popelin, den Führer der zweiten Expedition, dürften vielleicht etwaigen Forschungsreisenden, welche von der Ostküste aufzubrechen beabsichtigen, von einigem Nutzen sein:

Sansibar, 16. Mai 1879.

Geehrter Herr!

Da Sie langem Aufenthalt gehabt haben, als ursprünglich erwartet wurde, kann ich nicht mehr auf Sie warten, indem ich selbst wichtige und dringende Geschäfte zu erledigen habe; um Ihnen aber, wie es der Generalsecretär der Gesellschaft wünscht, nach meinen besten Kräften behülflich zu sein, ertheile ich Ihnen in beifolgenden „Vorschlägen" einige schriftliche Rathschläge, die, wenn Sie sie beachten, nicht ermangeln dürften, zum Erfolge Ihrer Expedition beizutragen.

Ausser dem Inhalt der „Vorschläge" habe ich Ihnen noch mitzutheilen, dass Herr Grefulhe die in der beiliegenden Liste erwähnten Stoffe, Perlen und Messingdraht ankaufen und dafür sorgen wird, dass dieselben afrikanischer Sitte gemäss gepackt und mit Stricken befestigt werden. Sollte Herr Grefulhe jedoch keine Neigung dazu haben oder verhindert sein, so wird ein dem amerikanischen Consul bekannter Hindi, Namens Djetta Wali, dieses Geschäft zu Ihrer Befriedigung besorgen.

Herr Grefulhe kann auch Ihre 30 Wangwana, sowie zwei oder drei Burschen anwerben, Contracte mit denselben abschlissen und ihnen Vorschuss geben.

Insbesondere muss ich Ihnen empfehlen, Herrn Dutalis nach Bagamojo zu senden, damit er mit dem Hindi Saiwa sobald wie möglich ein Abkommen bezüglich der (100) Wanjamwesi und eines Hauses für dieselben trifft; derselbe sollte einen Jungen, einen Koch, einen Kochgehülfen und zwei oder drei mit Büchsen bewaffnete Wangwana nach Bagamojo mitnehmen, um alles für Ihren Empfang und den Ihrer Gefährten, der Wangwana und der Vorräthe vorzubereiten.

Es müssten auch drei gute Esel im Preise von 50—80 Dollars nebst Sätteln und Ausrüstung für die Europäer angeschafft und mit Herrn Dutalis nach Bagamojo geschickt werden.

Falls Sie bis zum 30. Mai eintreffen, sollte Ihnen eine Woche genügen, um sich in Sansibar umzusehen; dann müssten Sie Herrn Grefulhe den Auftrag geben, mit dem Anwerben der Wangwana und dem Ankauf der Vorräthe zu beginnen. In drei Wochen würden alle Vorbereitungen in Sansibar beendigt sein, sodass Sie etwa am 24. Juni nach Bagamojo segeln könnten. In Bagamojo sollten Sie Ihre Pagasi mustern, jedem seine Last anweisen und sofort weitere Träger engagiren, falls Sie mehr Gepäck haben, als in der Liste angegeben ist. Pater Oscar in Bagamojo wird Ihnen mit seiner ausgedehnten Erfahrung zur Seite stehen und Ihnen gern Rath ertheilen eilen, wenn Sie dies wünschen.

Gegen den 10. Juli sollten Sie in der Lage sein, von Bagamojo nach Schamba Gonera, Ihrem ersten Halteplatze oder Lager, aufzubrechen.

Lassen Sie sich nach der Ankunft in Tschunju, dem nächsten Lagerplatze hinter Mpuapua, nicht verleiten, die südliche Route durch Ugogo zu wählen, sondern marschiren Sie direct durch Marenga-Mkali, von morgens 4 bis abends 8 Uhr, unterwegs von 10^2 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags halt machend. Ihre Halteplätze in Ugogo würden sein:

1) Tschikombo;
2) Itumbi;
3) Lihumwa;
4) Dudoma;
5) Mwitikira; G) Singeh;
7) Lager in der Wildniss;
8) Kitalalo:
9) Mukondokwa.

In der Nähe von Djiwela-Singa wenden Sie sich direct westlich nach Ugundu, die Strasse nach Unjanjembe zu Ihrer Rechten lassend. Dort lohnen Sie Ihre Träger ab und begeben sich mit einigen wenigen Wangwana allein nach Unjanjembe, um dort andere Pagasi, entweder Wangwana oder Wanjamwesi, nach dem Tanganjika anzuwerben.

Nachdem Sie diese in Unjanjembe erhalten haben, marschiren Sie von Ugunda nach Mpokwa, zehn Tagemärsche, und von dort in zehn weitern Tagen nach Masikamba's District am Tanganjika-See.

Nach der Ankunft daselbst würden Sie sich nach den etwaigen Instructionen richten, welche Sie von dem Comite und Herrn Oberst Strauch empfangen haben.

Vergessen Sie, bitte, nicht, dass Sie keinen einzigen meiner Vorschläge zu befolgen haben, wenn Sie annehmen müssen oder wissen, dass dieselben mit Ihren Ordres aus Europa im Widerspruche stehen. Die Rathschläge, welche ich Ihnen gebe, sollen Ihnen nur als Richtschnur dienen, solange dieselben mit Ihren eigenen officiellen Instructionen im Einklang stehen. Die Sympathien, welche ich für Ihre Aufgabe, die Dankbarkeit, welche ich gegen Se. Maj. König Leopold hege, dürften genügende Gründe dafür sein, dass ich Sie mit diesem Schreiben und meinem Rathe belästige.

Seien Sie Tag und Nacht wachsam und aufmerksam, haben Sie zu jeder Zeit Geduld mit Ihren weissen und farbigen Begleitern; seien Sie freundlich gegen die Schwarzen, ärgern und quälen Sie dieselben nicht mit unnöthigen Befehlen, achten Sie aber darauf, dass nothwendige Arbeiten wirksam ausgeführt werden.

Nachdem Sie den Kingani-Fluss überschritten haben, bauen Sie jeden Abend einen Buschzaun (Boma oder Sariba) um das Lager. Stürzen Sie sich nicht im eingebildeten Vertrauen auf Ihre Hinterlader und militärischen Kenntnisse in Gefahr; lassen Sie sich nicht verleiten, sich in Streitigkeiten unter den eingeborenen Häuptlingen einzumischen, Sie werden keine Ehre davon haben, sondern möglicherweise Ihrem eigenen Untergange entgegengehen.

Bei allen Streitigkeiten mit eingeborenen Häuptlingen bewahren Sie Ihre Ruhe; die goldene Regel, welche Sie niemals ausser Acht lassen dürfen, ist, niemals den ersten Schuss abzugeben, wie gross die Herausforderung auch sein möge.

Denken Sie auch daran, dass die Eingeborenen, wenn Sie etwas kaufen oder Tribut bezahlen wollen, stets fast doppelt so viel fordern, wie sie zu erhalten hoffen. Dies bezieht sich nicht nur auf die Araber und Wangwana, sondern auf alle Eingeborenen in Afrika.

Halten Sie sich von allen Streitigkeiten fern, an denen Sie kein Interesse haben.

Sollten Ihre europäischen Gefährten sich untereinander veruneinigen , so nehmen Sie nie die Partei des" einen gegen den ändern, weil Sie sich dadurch dessen Zuneigung entfremden; da jene unabhängig und intelligent genug sind, um ihren Zank unter sich auszumachen, so lassen Sie sie dies thun; Ihr eigener Comfort und Seelenfrieden werden nur Vortheil davon haben.

Um die Eintracht zu erhalten, sollte jeder Europäer in seinem eigenen Zelte schlafen und mit den ändern nur bei den Mahlzeiten zusammentreffen. Vertheilen Sie deshalb die Leute in die Zelte oder an die Arbeit. Die meisten Zänkereien entstehen aus der längern Discussion über triviale Sachen und un-nöthigen Unterhaltungen; man schlägt deshalb am besten einen Weg ein, der jeden Streit verhindert. Lassen Sie sich keine Gespräche und Gerüchte, welche den einen Europäer gegen den ändern aufbringen könnten, zutragen, denn selbst wenn dieselben wahr wären, vermöchten Sie Ihre Lage dadurch, dass Sie Notiz davon nehmen, doch nicht zu verbessern. Wenn Sie jedem seine besondere Aufgabe zutheilen und als Chef der Expedition in ruhiger und besonnener Weise darauf achten, dass jeder seine Pflicht erfüllt, werden Sie alles gethan haben, was Ihre Instructionen Ihnen vorschreiben. Eine Discussion über einfache Pflichtfragen führen, würde nur zu Aergernissen Veranlassung geben.

Sie alle haben ein Interesse daran zu beweisen, dass die Internationale Gesellschaft Ihnen mit Recht Vertrauen geschenkt hat, und es wird bei jedem Europäer zur Ehrensache, dasselbe zu rechtfertigen.

Ich habe Ihnen gesagt, was ich Ihnen gern persönlich mitgetheilt hätte; was ich noch hinzuzufügen habe, ist, dass ich inbrünstig Gottes Segen für Sie und Ihre weissen und farbigen Gefährten erflehe, und mich unterzeichne als

Ihr ergebener

HENBY M. STANLEY.

Herrn Kapitän POPELIN, Chef der zweiten belgischen Expedition nach Innerafrika.

VORSCHLÄGE FÜR DIE ORGANISATION DER ZWEITEN EXPEDITION NACH UDJIDJI.
1) Eine Expedition nach Udjidji sollte aus 30 Wangwana und 100 Wanjamwesi bestehen.
2) Die Wangwana sind in Sansibar zu 5 — 6 Dollars pro Monat zu bekommen.
3) Dieselben müssen ausgewählt werden, anständig aussehen und sich in guter Gesundheit befinden.
4) Der Führer hat sorgfältig darauf zu achten, dass keiner der Wangwana einen Bruchschaden hat, oder an Geschwüren oder Dysenterie leidet, sowie dass kein Sklave oder Opiumesser darunter ist; solche Leute müssen zurückgewiesen werden.
5) Die Wangwana müssen mit Snider-, Eemington- oder Comblaine-Hinterladern bewaffnet sein.
Für jede Büchse der Expedition sollten 300 Patronen mitgenommen werden. Jede Patronenkiste muss etwa 75 cm lang, .22'/0 cm breit und 12 Vj cm hoch sein, im Innern mit Zink oder Blech ausgefüttert und luft- und wasserdicht zugelöthet werden; sie darf mit den Patronen nicht über 65 Pfund wiegen.

Jeder Weisse muss einen Knaben als Gewehrträger haben, der monatlich 2l/2—3 Dollars bekommt; ist er allein, kann er zwei oder drei Knaben mitnehmen, die nach der Ankunft im Lager als Zeltdiener, Aufwärter und Boten zu verwenden sind.

Auf 30 Wangwana kommen vier Aufseher, ein Ober- und drei Unteraufseher.

Der Oberaufseher erhält 10—15 Dollars monatlich und muss ein anständiger und erfahrener Mann sein.

Die Unteraufseher bekommen 1 oder 2 Dollars mehr als die gewöhnlichen Wangwana.

Drei Wochen würden für die Organisation einer Expedition von dieser Stärke vollauf genügen. Wenn man beschlossen hat, mit der Organisation zu beginnen, muss man mit dem Hindi Saiwa in Bagamojo bezüglich eines Hauses für die 100 Wanjamwesi-Träger in Verbindung treten und die nöthigen Arrangements treffen, um gute Leute zu erhalten. Wahrscheinlich würde es am besten sein, mit dem Hindi ein Abkommen bezüglich der sichern Ankunft der Wanjamwesi in Unjamjembe zu treffen und ihm eine bestimmte Summe pro Kopf zu bezahlen. Auf diese Weise verfährt man am sichersten.

Sind mehrere Weisse bei der Expedition, dann sollte einer derselben sich nach Bagamojo begeben, um dort die Vorbereitungen zu überwachen; derselbe müsste berechtigt sein, bis zur Zeit, wenn sein Gefährte die Organisation der Expedition in Sansibar beendet hat, ebenfalls alle Arrangements zu treffen.'

Vier Tage vor der Abreise, wenn alle Ballen mit Stoffen in gehöriger Weise geschnürt, in Matten verpackt nochmals verschnürt und mit einer Nummer versehen sind, wenn eine vollständige Liste aller Sorten Stoffe, die in jedem Ballen verpackt sind, in ein Buch eingetragen ist, müssen die Wangwana zusammenberufen werden, um vor dem Consul oder einem ehrenwerthen Kaufmann von Sansibar als Zeugen den Contract zu unterzeichnen und den Vorschuss von nicht mehr als drei Monatslöhnen in Empfang zu nehmen.

Zwei Tage vor der Abreise von Sansibar wird eine genügende Anzahl arabischer Daus gechartert, um die Expedition, Vorräthe, Waaren, Thiere u. s. w. nach Bagamojo zu befördern. Bei der Ankunft daselbst muss alles in dem monatsweise von dem zu diesem Zwecke abgesandten Herrn gemietheten Hause sorgfältig unter Dach gebracht werden.

Wenn Saiwa bereits die Wanjamwesi besorgt haben sollte, müssen diese gemustert werden, um die Lasten in Empfang zu nehmen und den Tag des ersten Marsches zu erfahren.

Die erste Tagereise sollte nicht weiter als Schamba Gonera, 4*/2 km. westlich von Bagamojo, gehen.

Am folgenden Tage muss halt gemacht werden, um nachzusehen, dass alles in gehöriger Ordnung für die Reise ist; namentlich hat man darauf zu achten, dass die folgenden Artikel vorräthig, resp. dass nachstehende Maassregeln getroffen sind:

1) 50 Rupien in Silber als Reserve;
2) 10 Zehndollargoldstücke als Reserve;
3) 20 Rupien in Pice als Reserve;
4) mindestens fünf Tagesrationen Reis, deren jede eine Kubaba oder 11J2 Pfund pro Mann und Tag beträgt, müssen an die Wangwana und Wanjamwesi vertheilt werden;
5) 200 Pfund Reis müssen als Reserve für die Weissen mitgenommen werden;
6) es werden hier die letzten Verbindungen mit der Küste abgebrochen, weil es unpolitisch wäre, nach dem Abmärsche von Schamba Gonera einen Rasttag zu halten, ehe man nicht drei gute Tagereisen gemacht hat, weil, abgesehen davon, dass der Proviant in einer an Nahrungsmitteln armen Gegend nutzlos verzehrt wird, die weniger charakterfesten Leute sich zur Desertion versucht fühlen.

Nach den ersten Märschen von drei Tagen wird ein Rasttag gehalten, dann zwei Tage marschirt und wieder halt gemacht; auf diese Weise wird bis nach Mpuapua stets abwechselnd drei Tage marschirt, ein Tag geruht, zwei Tage marschirt und wieder ein Tag gerastet.

In Mpuapua wird drei Tage Aufenthalt gemacht, und es erhält jeder Mann Proviant auf sechs Tage. In Ugogo wählen Sie die nördliche Route, wie sie auf meiner neuesten Karte verzeichnet ist.

Alle Vereinbarungen mit den Wagogo bezüglich des Tributzahlens lassen Sie durch den Oberaufseher, vorbehaltlich Ihrer Genehmigung, treffen, doch muss ihm auf das dringendste anempfohlen werden, danach zu streben, dass der Tribut so niedrig wie möglich bemessen werde.

In Ugogo wird Ihre Geduld auf das stärkste auf die Probe gestellt werden, doch dürfen Sie in diesem von ungestümen, habgierigen und gewaltthätigen Eingeborenen bewohnten Lande nie vergessen, dass Ihre besten Waffen jenen gegenüber Geduld und Freundlichkeit sind.

Jenseit Ugogo ist die Strasse ziemlich frei von Schwierigkeiten, und da Sie bis dahin schon Erfahrung gesammelt haben werden, so brauche ich Ihnen bezüglich Ihres weitern Verhaltens keinen Rath mehr zu ertheilen.

Durch diese verschiedenen Missionen, sowie durch das Anwerben einer ausgewählten Truppe von 68 Sansibarern für die Kongoexpedition, von denen drei Viertel mich schon auf der Reise quer durch Afrika begleitet hatten, wurde meine Zeit vollständig in Anspruch genommen.

Der Sultan von Sansibar bewies unserer neuen Expedition die grösste Freundlichkeit, indem er die Lagerräume unsers Dampfers mit reichen Proviantvorräthen ausstattete, während Massen von Hühnern, Gänsen und Enten, sowie ein halbes Dutzend Ochsen für unsern Bedarf an frischem Fleisch sorgten.

Auch der amerikanische Consul Kapitän Hathorne und ein französischer Kaufmann in Sansibar, Herr Grefulhe, erschöpften sich in höflichen Aufmerksamkeiten und erzeigten uns die herzlichste Gastfreundschaft, bis der Dampfer „Albion" gegen Ende Mai 1879 seine lange Reise durch das Rothe und das Mittelmeer nach dem Kongo antrat.

Quelle:Henry M. Stanley. Herrn F. A. Brockhaus.1885, von bjfe by jadu

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