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Japan und Korea:   Anhang: Die Folgen des japanisch-russischen Krieges
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Die neueste Geschichte Ostasiens (3)

Der russisch-japanische Krieg 1904/05

Der russische-japanische Gegensatz in Korea und in der Mandschurei

Dagegen hatte die Krisis des Jahres 1900 eine Veränderung der Lage insofern hervorgebracht, als seitdem der Gegensatz zwischen Rußland und Japan die Lage in Ostasien ausschließlich beherrschte. In der Mandschurei wie in Korea hatte Rußland, in letzterem seit dem Frieden von Schimonoseki 1895, im ersteren seit dem Boxeraufstande, seine Stellung sehr verstärkt und dadurch die Besorgnis vor seinen weiteren Plänen in Japan vermehrt. In Korea war freilich der Versuch gemacht worden, eine Verständigung über die gegenseitigen Rechte und Ansprüche herbeizuführen, welche die dortigen Verhältnisse dringend notwendig erscheinen ließen. Durch dem Vertrag von Schimonoseki hatte China die Unabhängigkeit und Selbständigkeit Koreas anerkennen müssen, die von Japan schon in dem ersten mit Korea abgeschlossenen Vertrag 1878 als Grundprinzip aufgenommen worden war. Der Vorwand der Einführung allerdings notwendiger Reformen hatte dem japanischen Vertreter in Korea schon während des japanisch-chinesischen Krieges Veranlassung gegeben, in häufig das Gefühl und die Gewohnheiten der Koreaner verletzender Weise in den Gang der Verwaltung einzugreifen, nach dem Krieg geschah dies in noch schärferer Weise seitens seines Nachfolgers (Miura), und da man die Königin wohl mit Recht als die Seele des Widerstandes gegen die japanischen Machenschaften ansah, wurde sie auf Anstiftung des Gesandten von Japanern mit koreanischen Radikalen am 7. Oktober 1895 in ihrem Palais in grausamster Weise ermordet. Die Radikalen bemächtigten sich trotz der allgemeinen Entrüstung mit Hilfe der Japaner der Regierung und hielten den König Lihsi im Palais gefangen, bis es demselben am 11. Februar 1896 gelang, sich mit dem Kronprinzen in die russische Gesandtschaft zu flüchten, was einen Volksaufstand gegen die Radikalen und Japaner hervorrief. Die dadurch geschaffene Lage machte eine Verständigung zwischen den beiden Mächten doppelt notwendig; nach verschiedenen Verhandlungen kam es zu einer solchen in Söul (14. Mai 1896), die in Moskau (9. Juni 1896) durch den Prinzen Labanof und den Maschall Jamagata bestätigt wurde. Das Abkommen gab beiden Regierungen das Recht, eine kleine Truppenmacht (je 1000 Mann) zum Schutz ihrer Gesandtschaften und wirtschaftlichen Anlagen in Korea zu unterhalten und gemeinsam bei der koreanischen Regierung für die Einführung von Reformen zu wirken. In dem so geschaffenen Kondominium hatte Rußland, dank dem persönlichen Einflusse seines Vertreters in Söul, von Waeber, die stärkere Stellung, aber der langsame, sichere Fortschritt genügte den Heißspornen der russischen Diplomatie nicht, und mit einem anderen Vertreter kam auch in Söul eine Politik zur Geltung, die auf schnelle Erfolge hindrängte. Die Interessen und Befürchtungen der Japaner wurden rücksichtslos ignoriert und verletzt, wie z.B. durch die Festsetzung einer russischen Gesellschaft am Jalu auf koreanischem Gebiet und der von den Japanern allerdings verhinderten Anlage einer Flottenstadion in Masampho.

In ähnlich rücksichtsloser Weise ging Rußland in der Mandschurei vor, da es auch den dem fremden Handel geöffneten Hafen Niutschwang fortdauernd besetzt hielt und sich dort ganz als Herr gebärdete. Verschiedene Versuche, von der chinesischen Regierung eine Anerkennung dieser Zustände zu erwirken, mißlangen, weniger wegen der Abneigung derselben gegen ein solches Zugeständnis, als wegen des Widerstandes, den andere Mächte (England, die Vereinigten Staaten, Japan) einem derartigen Abkommen in Peking entgegensetzten. Einen besonderen gegen Rußland gerichteten Schritt tat die englische Regierung, indem sie am 30. Januar 1902 mit Japan ein Abkommen schloß, durch das sich beide verpflichteten, den allgemeinen Frieden in Ostasien sowie die Unabhängigkeit Chinas und Koreas aufrechtzuerhalten und, wenn eine vom ihnen wegen dieser Fragen mit einer anderen Macht in Krieg geriete und eine dritte sich einmischen wolle, dann ihren Bundesgenossen zu Hilfe zu kommen. Der Zweck dieses englischen Schrittes war unzweifelhaft, Indien, wie man sagte, in Ostasien zu verteidigen und den russischen Plänen Halt zu gebieten, ohne in erster Linie die Gefahr eines eigenen Konfliktes mit demselben. Rußland antwortete darauf mit der Veröffentlichung eines am 20. März zwischen ihm und Frankreich getroffenen Übereinkommens, durch welches die beiden Mächte erklärten, ebenfalls den Status quo in Ostasien aufrechterhalten und die Unabhängigkeit Chinas und Koreas gewährleisten zu wollen. Wenn irgend etwas von seiten dritter Mächte in China geschähe, was die Integrität dieses Reiches in Frage stelle und dadurch die Interessen der kontrahierenden Mächte bedrohe, so behielten sich dieselben vor, sich über weitere Maßnahmen zu verständigen. Das englisch-japanische Abkommen scheint die russische Regierung veranlaßt zu haben, den Abschlußeiner Verständigung mit der chinesischen Regierung zu beschleunigen. Wenigsten kam ein solches am 8. April 1902 zustande, in dem in sehr verklausulierter Weise die allmähliche Zurückziehung der russischen Truppen aus der Mandschurei innerhalb der nächsten 18 Monate zugesagt, sonst aber alle Rechte, die sich Rußland in mehr oder weniger eigenwilliger Weise in der Mandschurei angeeignet hatte, durch die chinesische Regierung anerkannt wurden. Der schlechte Eindruck, den dieses Abkommen und mehr noch seine verzögerte und unvollständige Ausführung seitens der russischen Behörden machte, wurde durch die am 30. Juli 1903 erfolgte Ernennung des Admirals Alexejef zum kaiserlichen Statthalter des Amur- und Kwantung-(Liaotung-) Gebietes noch verstärkt, da man darin den Ausdruck des Willens der russischen Regierung sah, auf dem eingeschlagenen Wege fortzufahren. Fast gleichzeitig mit dieser Ernennung, aber etwas vor ihr, am 28. Juli, beauftragte das Auswärtige Amt in Tokio, durch die Erregung der öffentlichen Meinung dazu veranlaßt, seinen Gesandten in Petersburg, Kurino, dort die Mitteilung zu machen, daß Japan in der Lage in der Mandschurei eine Bedrohung der Integrität Chinas sähe, sowie daß die Unabhängigkeit Koreas von der größten Wichtigkeit für Japan sei; es sei bereit, sich über diese Fragen mit Rußland zu verständigen. Von russischer Seite wurde dieser Antrag dilatorisch behandelt mit dem Ergebnis, daß man noch Anfang Januar 1904 zu keiner Verständigung über die Hauptpunkte gekommen war. Rußland gestand die größeren Interessen Japans in Korea zu, aber weigerte sich, irgendeine Erklärung in betreff der Mandschurei abzugeben, da es darüber nur mit China verhandeln könne. Am 13. Januar endlich richtete der japanische Gesandte eine Note an das russische Auswärtige Amt, in der er die Forderung stellte, daß Rußland sich verpflichte, die Integrität des chinesischen Reiches auch in betreff der Mandschurei anzuerkennen, am 26. Januar wurde die Bitte um schleunige Antwort auf diese Note erneuet, und da auch am 5. Februar dieselbe noch nicht eingetroffen war, erklärte Kurino im Auftrage seiner Regierung die Verhandlungen für beendet und die diplomatischen Beziehungen für abgebrochen.

Die russische Regierung hatte wiederholt und noch kurz vor diesem Ereignis bekanntgegeben, daß es zu keinem Kriege kommen werde, sie hatte das unzweifelhaft in gutem Glauben und der Überzeugung getan, daß es niemand wagen werde, Rußland anzugreifen. Derselben Überzeugung muß zugeschrieben werden, daß weder die Befestigungen Port Arthurs ausgebaut, noch die Transsibirische Bahn doppelgleisig hergestellt und der Baikalsee von der Bahn umgangen worden, noch auch genug Truppen in der Mandschurei vorhanden waren. Die Diplomatie war eben den militärischen Vorbereitungen vorangeeilt oder hatte die Warnungen vernachlässigt, die von den Führern der Armee an die höchsten Stellen gerichtet worden waren.

Der Kriegsverlauf

Für die Japaner handelte es sich vorerst darum, ihre Arme auf dem Festland zu landen und zu konzentrieren, Port Arthur zu isolieren und zu belagern und die Russen weit genug zurückzuwerfen,. um bei den Belagerungsarbeiten nicht gestört zu werden. Für die Russen wäre es wichtig gewesen, den Landungsversuchen der Japaner mit überlegenen Kräften, was anfänglich möglich gewesen wäre, entgegenzutreten und dadurch die Verbindung mit Port Arthur aufrechtzuerhalten. Statt dessen ließen sie sich von Anfang an in eine unfruchtbare Defensive drängen, in kleineren Abteilungen schlagen und dann, nachdem die Hauptarmee versammelt war, zu Schlachten nötigen, bei denen von vornherein mehr Rücksicht auf eine gesicherte Rückzugslinie als auf Erfolge nach vorwärts genommen wurde. Ob dieses Verhalten darin begründet war, daß der Oberkommandierende, General Kuropatkin, alle Schlachten vermeiden wollte, bis er ein der ganzen Streitkraft der Japaner überlegenes Heer versammeltes hätte, muß dahingestellt bleiben. Vielleicht glaubte er dies um so mehr tun zu können, weil er annahm, daß die Sommerregen jeden Vormarsch der Japaner verhindern würden, ein Plan, der später durch Befehle von Petersburg durchkreuzt worden zu sein scheint. Jedenfalls zeigten sich die Japaner von Anfang an den Russen strategisch und taktisch überlegen und gingen, wenn auch mit methodischer Langsamkeit, so doch auch, wo es darauf ankam, unter rücksichtsloser Einsetzung aller Kräfte auf ihr Ziel los.


Die kriegerischen Operationen begannen ohne vorhergegangene Kriegserklärung am 8. Februar 1904 mit Angriffen der japanischen Flotte unter Admiral Togo, die zum Zweck hatten, das russische Geschwader in Arthur einzuschließen. Wenn dies auch nach wiederholten Versuchen mißlang, so erlitten die Russen doch so ernste Verluste, daß die Überlegenheit der Japaner zur See von vornherein feststand und auch während das ganzen Krieges nicht wieder in Frage gestellt wurde. Mit den ersten gelandeten Divisionen der Landarmee schlug General Kuroki die Russen am 1. Mai 1904 am Jalu. Am 26. Mai wurde ein Teil der Garnison von Port Arthur bei Kiutschau geschlagen und damit der erste Schritt zur Einschließung der Festung getan. Ein Versuch, den General von Stackelberg machte, dies zu verhindern, wurde von General Oku bei Wafangu zurückgeschlagen. Im Juli und August unternahmen die Japaner eine Anzahl Angriffe auf Port Arthur, um sich des Platzes mit stürmender Hand zu bemächtigten, die indessen mit großen Verlust zurückgewiesen wurden, so daß zur regelrechten Belagerung geschritten werden mußte. Ein Versuch der russischen Flotte am 10. August, das blockierende japanische Geschwader zu durchbrechen, blieb gleichfalls erfolglos. Die Konzentration der russischen Armee am Liao zwang die Japaner, sich gegen diesen Feind zu wenden und General Noki (gest. 1912 durch Harakiri) vor Port Arthur zurückzulassen. Marschall Ojama, dessen Generalstabschef General Kodama war, mit den Generalen Nodzu, Kuroki und Oku griff Kuropatkin am 25. August an und zwang ihn nach mehrtägiger Schlacht, seine Stellung aufzugeben und sich bis hinter den Tschaho zurückzuziehen. Am 5. Oktober begann letzterer eine Vorwärtsbewegung, die zu einer Reihe von Gefechten Veranlassung gab, die unter dem Namen der Schlacht am Tschaho bekannt sind und am 30. desselben Monats mit dem Rückzuge der Russen nach dem kaum 40 km entfernten Mudken endeten. Die Belagerung Port Arthurs ging unterdessen ihren Weg: mit ungeheuren Anstrengungen und noch größeren Opfern machte der Belagerer sichere, wenn auch langsame Fortschritte, die am 1. Dezember in der Wegnahme des 203-Meter-Hügels gipfelten, von dem aus die Stadt und Reede eingesehen werden konnten, so daß nichts mehr der Beschießung derselben entgegenstand. Am 15. Dezember fiel General Kondralenko, der die Seele der Verteidigung gewesen war, die mit seinem Tode den größten Teil ihrer Energie einbüßte; am 1. Januar 1905 wurde von den Japanern das Adlersnest-Fort erstürmt, am Abend desselben Tages erklärte General Stöffel, der Gouverneur des Platzes, seine Bereitwilligkeit zur Übergabe desselben, und wenige Tage darauf rückten die siegreichen Japaner unter Nogi in die Festung ein. Die Frage, ob General Stöffel sich länger hätte halten können ist hier nicht zu erörtern; an der militärischen Lage dürfte es kaum etwas geändert haben, ob Nogis Armee 8 oder 14 Tage früher oder später frei wurde. Port Arthurs Schicksal war entschieden, und es war vielleicht nicht unrichtig, die Überreste der Besatzung und die Bevölkerung nicht der Gefahr eines Sturmes auszusetzen. Durch die freigewordene Armee Nogis und einen Teil der Belagerungsartillerie verstärkt, griff Marschall Ojama am 4. März 1905 die Russen bei Mudken an und zwang sie am 9. zum Rückzug auf Tieling. Dies war der Schluß der großen Landkämpfe, und auf Sachalin fanden im Juli noch kleine Zusammenstöße statt, die Ende des Monats mit der Übergabe der Insel endigten. Inzwischen war das zum Teil aus alten Schiffen bestehende russische Ersatzgeschwader am 15. Oktober unter Admiral Rojestwenski von Libau aus in See gegangen und nach seinem Abenteuer auf der Doggersbank, wo es eine englische Fischersflotte für japanische Torpedoboote hielt und sie beschoß, und nach längerem Aufenthalte bei Madagaskar nach der Bai von Kamra in Anam gelangt, wo ein später abgegangenes Reservegeschwader unter Admiral Nebogatow Ende April bis Anfang Mai 1905 sich mit ihm vereinigte. Am 8. Mai brach das vereinigte Geschwader von dort nach Norden auf, wurde aber von Admiral Togo am 27. Mai in der Straße von Tsuschima nach einer Schlacht, in der die Japaner keine ihren Erfolgen entsprechenden Verluste erlitten, vollständig vernichtet.
Japanische Feldherren des russisch-japanischen Krieges

Kurogi

Nogi

Oku

Nozu

Ojama

Kodama

Togo

Ijuin