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Neueste Geschichte Ostasiens (2)

China: Der Sturz der japanfreundlichen Reformpartei
durch die gemäßigt fremdenfeindliche Clique der Kaiserin Tsze hsi

Auf die Bevölkerung im allgemeinen machten die Bedrohungen der Integrität des chinesischen Reiches keinen Eindruck, anders in Peking, wo sich eine Reformpartei gebildet hatte, an deren Spitze bald ein Kantonese, Kang Dschu wei, trat. Dieser hatte schon seit 1888 durch seine Denkschriften und sonstigen Veröffentlichungen, in denen er die Ungerechtigkeit und Landgier der Fremden angegriffen und als Rettungsmittel für das Reich eine Erstarkung des Chinesentums auf Grundlage des Konfuzianismus unter Benutzung westlicher Hilfsmittel nach dem Beispiel Peters des Großen und Japans empfohlen hatte, die Aufmerksamkeit und den Beifall vieler der höchsten Würdenträger auf sich gezogen. Auf Veranlassung eines derselben, des Lehrers des Kaisers, der nach chinesischen Begriffen demselben gegenüber in loco parentis steht, Wen Tung ho, wurde er nach Peking berufen und dort in persönliche Berührung mit dem Kaiser gebracht, über den er bald vollständige Gewalt gewann. Leider waren weder er noch der Kaiser Kwang hsü sich über die Grenzen der Möglichkeiten klar, in denen sich die Reformen zu halten hätten; in überstürzter Eile folgten sich die wundersamsten kaiserlichen Edikte aufeinander, so daß in allen Beamtenkreisen, auch unter den meisten früheren Freunden Kangs, die Besorgnis vor einer vollständigen Desorganisation der Verwaltung immer weiter um sich griff. In der richtigen Erkenntnis, daß die Persönlichkeit der früheren Kaiserinregentin und Adoptivmutter des Kaisers, Tsze hsi, die seit der Mündigkeitserkärung des Kaisers anscheinend von dem Geschäften zurückgezogen auf ihrem Lustschloß Wan tschau schan bei Peking lebte, das größte Hindernis für seine Pläne sei, versuchte Kang Dschu wei sie zu beseitigen, aber die alte Kaiserin kam ihm zuvor.

Sie kehrte am 20 September 1898 unerwartet nach Peking zurück, erklärte, daß sie wieder die Regentschaft übernähme, informierte den Kaiser und befahl die Verhaftung der Mitglieder der Reformpartei. Einigen gelang es, sich rechtzeitig zu retten, unter ihnen Kang Dschu wei, und mit englischer und japanischer Hilfe Japan und die englische Kolonien zu erreichen, aber manche wurden ergriffen und hingerichtet. In wenigen Tagen war die Sache zu Ende, und die Tatsache, daß sich weder in Peking noch in den Provinzen eine Hand für die Reformatoren rührte, ist der beste Beweis dafür, wie wenig Wurzeln ihre Bestrebungen im Volke gefaßt hatten. Ob Kang Dschu wei und seine Genossen auf japanische Unterstützung gerechnet hatten, muß dahingestellt bleiben; jedenfalls befand sich der frühere japanische Premierminister Ito zur Zeit des Staatsstreichs der Kaiserinregintin in Peking, wo er nach demselben schnell verschwand; aber es kann wohl kaum einen Zweifel unterliegen, daß die Reformatoren im Falle des Gelingens ihrer Pläne auf die Sympathien und vielleicht auf die Unterstützung Japans hätten zählen können.

Auch die Kaiserinregentin konnte sich der Bedenken über die Absichten und Pläne der fremden Mächte um so weniger entschlagen, als die europäische Presse, die englische voran, in der offensten Weise die Möglichkeit und Tunlichkeit einer Aufteilung Chinas unter die Vertragsmächte erörterte und dadurch den chinesischen Besorgnissen eine greifbare Grundlage gab. Dieser Gefahr gegenüber griff die Kaiserinregentin zu einem in der Geschichte Chinas öfter angewandten und manchmal wohl erfolgreichen Mittel. Sie rief eine Art Landsturm ins Leben, indem sie der Bevölkerung befahl, sich zusammenzuschließen und in den Waffen zu üben. Gleichzeitig beschloß sie die Nachfolgefrage zu regeln und damit eine Quelle der Beunruhigung zu beseitigen, die um so größeren Einfluß auf weite Kreise ausübte, als man dem durch die Wahl Kwang hsüs zum Kaiser begangenen Verstoß gegen die zeremoniellen Regeln alle Unglücksfälle zuschrieb, die seitdem die Dynastie getroffen hatten. Kwang hsü gehörte nämlich derselben Generation an wie sein Vorgänger Tungschih und konnte demselben daher nicht die vorgeschriebenen Totenopfer bringen. Jetzt wurde ein Großneffe Hienfengs, Prinz Putschün, der Enkel des fünften Prinzen (von Tun), eines Bruders Hienfengs, am 24. Januar 1900 zum Thronfolger ernannt. Sein Vater, Prinz Tuan, ein Feind der Fremden, wurde zum Leiter des Tsungli Jamen bestimmt, vielleicht in der Hoffnung, ihn durch die Herstellung näherer Beziehungen von seiner Animosität gegen die Fremden zu heilen, wie das früher wiederholt mit hohen Beamten, die ähnliche Gesinnungen gehegt hatten, mit Erfolg geschehen war. In diesem Falle mißlang der Versuch indessen, und Prinz Tuan muß vielmehr eine wesentliche Schuld an den weiteren Ereignissen zugeschrieben werden.

Der sogenannte "Boxeraufstand"

Während sich dies in Peking abspielte, hatten sich die Verhältnisse in Schantung in einer Art entwickelt, welche die ernstesten Besorgnisse hervorrufen mußte. Die Provinz war immer wegen der Banden, die sie unsicher machten und neben ihrem Räuberhandwerk Patriotismus und Christen- und Fremdenhaß trieben, berüchtigt gewesen; jetzt hatten die Hetzereien des früheren Gouverneurs LiPing heng, der sich nach seiner Entlassung dicht an der Grenze der Provinz niedergelassen hatte, und die eines anderen früheren Gouverneurs von Schantung, Jühsien, der wegen eines Streites mit amerikanischen Missionaren auf Veranlassung der amerikanischen Gesandtschaft nach Schansi in gleicher Eigenschaft versetzt worden war, ebenso wie mehrere schlechte Ernten den Banden viele Leute zugeführt, und als 1900 die Frühjahrsregen ausblieben, und die Priester, besonders die Taoisten, dies als eine Folge der Anwesenheit der Fremden erklärten, durch deren Vertreibung die Götter besänftigt werden könnten, wälzte sich die ganze Masse dieser Banden, zu denen zahlreiche Landleute gestoßen waren, unter Morden, Brennen und Plündern von Schantung auf Peking zu. Nicht wenig zur Popularität und zum Erfolg dieser Banden trug bei, daß ihre Führer behaupteten, unverwundbar zu sein und ihren Leuten durch ihre Zaubersprüche dieselbe Eigenschaft mitteilen können.

In Peking wurden in den Kreisen der Europäer die Nachrichten von diesem Aufstande der Boxer, wie sie von den Engländern irrtümlicherweise genannt wurden – sie waren Mitglieder der Gesellschaft der "Großen Faust" –, mit immer steigender Besorgnis aufgenommen, und das diplomatische Korps machte seit dem 24. Januar 1900 nicht nur der chinesischen Regierung wiederholt ernste Vorstellungen, sondern wandte sich auch am 10. März 1900 an die heimischen Regierungen mit der Bitte, einige der in den chinesischen Gewässern stationierten Kriegsschiffe jeder Nation zu einer Demonstration vor den Takuforts zusammenziehen zu dürfen. Dieses Ansinnen hatte keinen Erfolg, da die Vereinigten Staaten sich weigerten, zu einer solchen Maßregel ihre Zustimmung zu geben, und man in London zu froh war, so einen Vorwand zu haben, dasselbe zu tun. Bereits 1891, nach den Christen- und Fremdenverfolgungen im Jangtsetal, hatten die fremden Vertreter in Peking einen gleichen Antrag bei ihren Regierungen gestellt, und derselbe war in ähnlicher Weise erfolglos geblieben. Es würde also irrtümlich sein, der diplomatischen Vertretung in China die Schuld an den weiteren Ereignissen zuzuschreiben. Inzwischen waren die Boxer in Paoingfu, der Hauptstadt von Tschili, eingetroffen und von da an der Eisenbahn nach Peking weitergezogen, hatten jeden Fremden, dem es nicht gelungen war, zu entfliehen, ermordet oder ins Gefängnis geworfen, und die Ruinen von Eisenbahnstationen, Kirchen und Kapellen bezeichneten ihren Weg. Das Näherkommen der Gefahr veranlaßte die fremden Vertreter, Schutzwachen für die Gesandtschaften kommen zu lassen, wie das schon 1898 der Fall gewesen war. Nachdem der Widerstand der chinesischen Regierung gegen die Maßregel überwunden war, trafen die internationalen Wachen in Stärke von zusammen etwas über 450 Mann am 1. Juni in Peking ein.

Bald wurde es klar, daß diese Macht nicht genügen könne, um den Gesandtschaften und ihren Bewohnern Schutz zu gewähren, und es ergingen Bitten um weitere Unterstützung nach Tientsin, die nach längerem Zögern und Anfragen bei den heimischen Regierungen am 10. Juni in Form einer internationalen Truppe in Stärke von 2300 Mann unter dem englischen Admiral Sir E. Seymour von Tientsin nach Peking aufbrachen. Dem Gang der Ereignisse vorgreifend, mag hier gleich erwähnt werden, daß Admiral Seymour auf der Eisenbahn bis Janfang, ungefähr 70 km von Peking, gelangte, dort das Gleis zerstört fand, nach vergeblichen Versuchen, dasselbe wiederherzustellen, und nach wiederholten Gefechten gegen Boxer, bei denen der Verlust des Expeditionskorps ein ganz minimaler war, am 18. den Rückmarsch nach Tientsin antrat, auf dem das Korps nun auch von regulären chinesischen Truppen angegriffen wurde. Nach großen Strapazen und schweren Verlusten erreichte es am 23. das befestigte Arsenal von Peitsang, 16 km von Tientsin, das es erstürmte, und in dem es sich festsetzte. Es wurde dann am 25. Juni durch ein ihm von Tientsin entgegengesandtes Korps aus seiner prekären Lage befreit und erreichte an demselben Tage die fremde Niederlassung dort. Dem Führer der Expedition kann der Vorwurf nicht erspart bleiben, seine Aufgabe nicht richtig aufgefaßt und an der Bahn geklebt zu haben, die von den Gegnern auch in seinem Rücken zerstört wurde, während er sich in vergeblichen Versuchen erschöpfte, sie vor sich wiederherzustellen.

In Peking, wo man die Ankunft des Seymourschen Korps erwartete, wurde der Kanzler der japanischen Gesandtschaft, der den Truppen am 11. Juni bis zum Bahnhof entgegengefahren war, dort in der grausamsten Weise von den mohammedanischen Truppen (aus Kansu) des Generals Tung Fuh siang ermordet, und die Boxer bemächtigten sich der chinesischen Stadt vor Peking, wo sie alles, was mit den Fremden irgendwelche Beziehungen unterhalten hatte, niedermachten. Am 14. brachen sie in die Tatarenstadt ein, in der sich die Gesandtschaften befinden, und begannen sofort die Niedermetzelung der chinesischen Christen wie die Zerstörung der katholischen und protestantischen Kirchen und Kapellen, Hospitäler, Missionsanstalten usw. Ein Teil der bedrohten Christen wurde durch Fremde der drohenden Gefahr entrissen und in den Gesandtschaften oder in der Nähe derselben untergebracht, eine größere Anzahl auch in den Baulichkeiten und auf dem Terrain des Peitang, der nördlichen katholischen Kathedrale, die durch die Missionare in Verteidigungszustand gesetzt und wohin von der französischen und italienischen Gesandtschaft ein Teil ihrer Schutzwachen entsendet worden waren.

Am 19. erhielten die Gesandtschaften in Peking eine Note des Tsungli Jamen, durch die sie aufgefordert wurden, die Stadt innerhalb 24 Stunden zu verlassen, da die fremden Streitkräfte die Takuforts anzugreifen beabsichtigten. Dieser Aufforderung nachzukommen, war unmöglich; die Fremden würden auf dem Rückwege nach Tientsin unbedingt von den Boxern angegriffen worden sein, denen sie geringen zur Verfügung stehenden Streitkräfte auf freiem Felde keinen Widerstand entgegenzusetzen imstande gewesen sein würden; anderseits stand außer Frage, die bisher geborgenen einheimischen Christen mitzuführen oder sie in Peking hilflos den Boxern zu überlassen. Der deutsche Gesandte Freiherr von Ketteler, der sich am 20. Juni nach dem Tsungli Jamen begeben wollte, um einen letzten Versuch zu machen, die chinesische Regierung auf andere Wege zu lenken, wurde auf dem Wege dorthin ermordet, der ihn begleitende Dolmetscher Cordes verwundet, und am Abend desselben Tages eröffneten die chinesischen Truppen und Boxer den Angriff auf die Gesandtschaften. – Daß es der kleinen Schar der Verteidiger gelang, die Gesandtschaften, von denen die französische, deutsche, amerikanische , russische und englische besetzt blieben, bis zum 14. August, dem Tage des Entsatzes, zu halten, läßt sich nur daraus erklären, daß die chinesischen Befehlshaber, die in ihren politischen Zielen wohl weit auseinandergingen, nie gemeinsam einen Angriff a fond gegen die geringe Anzahl der fremden Verteidiger unternahmen, die über eine große Entfernung verteilt, nur so imstande waren, den häufig sehr heftigen, teilweisen Angriffen zu widerstehen. Namentlich Jung lu und auch wohl Prinz Tsching scheinen nach dieser Richtung hin hemmend gewirkt zu haben.

Gefecht mit chinesischen Truppen auf
der Bahnstrecke
Tientsin-Peking

 

 

Boxeraufstand

Oben: Soldaten des Expeditionskorps besichtigen die, an einem Stadttor aufgehängten Köpfe hingerichteter Boxer

Links: Truppen des Expeditionskorps in Tientsin: Chinesische Arbeiter beim Bau einer Artilleriekaserne unter Aufsicht von Matrosen der deutschen Kriegsmarine


W
ährend dieser Vorgänge in Peking hatten sich in und bei Tientsin Ereignisse abgespielt, die auf die ganze Entwicklung der chinesischen Frage von maßgebendem Einfluß wurden. Seit dem 15. Juni waren die Boxer tatsächlich im Besitz der chinesischen Stadt gewesen, und da die wenigen fremden Kanonenboote, die sich im Peiho aufwärts von den Takuforts befanden, zu bemerken glaubten, daß der Kommandant der Forts den Versuch mache, den Fluß zu sperren, wurde er zur Übergabe aufgefordert, und da er dieselbe verweigerte, wurden in der Nacht vom 17. Juni nach einem heftigen Geschützkampf die Forts mit stürmender Hand genommen. Es war diese Tatsache oder die Drohung mit derselben, welche die chinesische Regierung, die sich nun im Kriege mit den fremden Mächten glaubte, zu der Note vom 19. an die Gesandtschaften und dazu veranlaßte, sich nun offen auf die Seite der Boxer zu stellen. Erst von dieser Zeit an haben sich chinesische Truppen an dem Kampf gegen die Fremden beteiligt. Nach Tientsin, das von den Fremden nur schwach besetzt war und sich von den Boxern ernsthaft bedroht sah, wurde schleunigst geschickt, was auf den auf der Takureede liegenden Kriegsschiffen entbehrt werden konnte, und auch von englischer, russischer, japanischer, französischer und amerikanischer Seite wurden Landtruppen herbeigeschafft, aber es dauerte vom 1. bis zum 13. Juli und bedurfte harter Kämpfe, bis die Chinesenstadt gestürmt und die Chinesen zum Rückzug gezwungen waren, und bis die fremde Niederlassung von dem Schrecken der Beschießung erlöst wurde, die fast 14 Tage gedauert hatte.

Nachdem die ersten Nachrichten, daß sich die Gesandtschaften in Peking nach hielten, in Tientsin angekommen waren, wurde alles aufgeboten, ihnen möglichst bald Hilfe zu bringen. Trotzdem konnte erst am 5. August eine Kolonne von ungefähr 15 000 Mann, aus Japanern, Russen, Engländern, Amerikanern und Franzosen bestehend, den Vormarsch auf Peking antreten. Die chinesischen Truppen, die sich demselben zu widersetzen suchten, wurden wiederholt geschlagen, und am 14. August wurde Peking von Norden her mit stürmender Hand genommen, während die Engländer von Süden her durch ein in der Mauer befindliches Wassertor ohne Gefecht eindrangen und zuerst die dicht bei demselben gelegenen Gesandtschaften erreichten. Von deutschen Truppen war kein Mann an diesen Waffentaten beteiligt gewesen, man hatte dort an dem Glauben festgehalten, daß die Sommerregen den Marsch auf Peking vor dem Herbst unmöglich machen würden, und daß es zu einem solchen, nach Admiral Seymour, 40 000 Mann bedürfe.

Nach englischem und wohl auch allgemeinem Kriegsbrauch wird eine mit Sturm genommene Stadt während einiger Zeit der Plünderung preisgegeben. Dies geschah auch in Peking, aber dort dehnte sich die Zeit über Wochen aus, und es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß von den Angehörigen aller Nationen manches geschehen ist, was im Interesse des moralischen Ansehens der Fremden besser unterblieben wäre.

Die Kaiserinregentin, der Kaiser, der Hof und die Minister waren am Tage vor der Einnahme der Stadt aus derselben entkommen und hatten sich nach Singanfu in Schansi, einer der früheren Hauptstädte des Reiches, zurückgezogen, wo sie sich vor Verfolgung sicher glaubten. Mit dem Eintreffen der inzwischen von allen Seiten anlangenden Verstärkungen von Truppen aller Nationen kam die Diplomatie auch wieder zu ihrem Recht: die Vertreter der Vertragsmächte traten in Peking zusammen, um über die für das Geschehene fordernde Sühne und die Neuordnung der chinesischen Verhältnisse zu beraten. Was die erste anbelangt, so wurde, man muß sagen leider, in die Forderungen manches, wie z.B. die Befestigung der Gesandtschaften, aufgenommen, was sich nach wenigen Jahren mehr als eine Last denn als ein Vorteil erweisen mußte, während in betreff des zweiten Punktes die günstige Gelegenheit versäumt wurde und eigentlich nichts geschah. Rußland, das die Gelegenheit von wohl mehr gefürchteten als tatsächlichen Unruhen in seinen Grenzgebieten und einigen wirklichen in der Mandschurei benutzt hatte, um die wichtigsten Plätze in letzterer zu besetzen, zog sich bald aktiv von den allgemeinen Verhandlungen zurück; Japan, das im August 1900 einen mißlungenen Versuch gemacht hatte, sich in Amoy festzusetzen, verhielt sich beobachtend, während England das Eingehen auf wirtschaftliche Verhältnisse ablehnte, da es dieselben allein mit China regeln wollte. Es mag hier gleich erwähnt werden, daß der englische-chinesische Handelsvertrag vom 5. September 1902, der dies tun sollte, in seinen wichtigsten und meisten Bestimmungen bis heute unausgeführt geblieben ist. So kam es, daß, als das Schlußprotokoll der Gesandtenkonferenz in Peking am 7. September 1901 unterzeichnet wurde, nichts geschehen war, um die chinesische Regierung zu den Reformen zu verpflichten, welche die wirtschaftlichen und missionarischen Fragen dringend forderten. Im vorstehendem ist der Tätigkeit des Feldmarschalls Grafen von Waldersee, dem nominell der Oberbefehl über die fremden Streitkräfte übertragen worden war, und der verschiedenen Züge dieser letzteren keine Erwähnung geschehen, weil sie auf den Gang der Ereignisse keinen Einfluß ausübten. Mit der Eroberung von Peking und der Flucht des Hofes war der Sieg entschieden, es kam nur darauf an, ihn zu dauernden Erfolgen auszunützen, und das ist nicht geschehen.