zurück

Die Felsenstadt Petra

von H. Brugsch Pascha

Zu den merkwürdigsten Ruinenstätten der erde, auf welchen in längst vergangenen Zeiten der lebhafteste Handel und Wandel einen festen Punkt für den damaligen Weltverkehr geschaffen hatte, gehört jene wunderbare Felsenstadt, ziemlich in der Mitte der Talsenkung des Wadi al Araba gelegen, welche sich in der Richtung von Süd nach Nord vom busen von Akaba nach der Südspitze des Toten Meeres erstreckt. Der Felsenkessel und die Schluchten in der Umgebung, welche nach den Trümmern der Felsenstadt führen, tragen gegenwärtig die Bezeichnung des Wadi Musa oder "des Mosestales". bereits in der Bibel geschieht der Stadt Erwähnung, denn unter den jüdischen Königen erscheint Sela, d.h. "die Felsenstadt", als der Hauptort der Edomiter. Als die Römer unter Pompejus Gabinius das Felsennest eroberten, in welchem nabatäische Araber gleichsam ihre Residenz aufgeschlagen hatten, blieb durch die neue griechische Bezeichnung Petra der Inhalt der alten einheimischen Benennung Sela treu erhalten. Ihrer günstigen Lage in einem gegen Angriffe gesicherten Talkessel, dessen größte Ausdehnung anderthalb Kilometer beträgt, auf der vielbesuchten Handelsstraße von Arabien nach Palästina und Phönizien im Norden, nach Ägypten im Westen, dankte die Stadt ihren Wohlstand und ihre Reichtümer.

Pyramide
Chasneh Firaun

 

Sie bildete den Stapelplatz für die kostbaren Produkte Arabiens, welche die Kamelkarawanen jahraus jahrein nach den oben genannten Ländern einführten, und ihre Kaufherren, gleich denen von Palmyra, nahmen den Rang von privilegierten Patriziern ein, denen die Mittel zu Gebote standen, das einsame Felsennest in eine prunkvolle Felsenstadt umzuwandeln. Die Heiligtümer, die öffentlichen Gebäude bis zum Theater hin, die Gräber, alles wurde in die geglätteten Felsenwände in der Umgebung eingemeißelt, wobei der herrschende Kunstrichtung in gebührender Weise Rechnung getragen wurde. Noch unter der Regierung der römischen Imperatoren Trajan und Hadrian, in deren Zeiten Stadtmünzen geschlagen wurden, erscheint Petra als ein blühender, großartiger Handelsplatz, dessen Anlagen an Pracht und Merkwürdigkeit wenig zu wünschen übrigließen. Selbst Römer hatten sich hier angesiedelt. Mit dem allmählichen Aufhören des arabischpalästinensischen und ägyptischen Handelsverkehrs, vollends aber seit der Eroberung Petras durch die muslimischen Araber, geriet die Stadt in Vergessenheit. Sie ward verlassen und nur ein Kastell diente als Zufluchtsstätte für den letzten Rest der ehemaligen Bevölkerung.

Erst durch zwei deutsche Forscher berühmten Namens, Seetzen und Burckhardt, wurde sie gleichsam wieder entdeckt und seitdem nicht selten von Reisenden aller Nationen besucht, welche auf ihrer Fahrt vom Sinai nach dem heiligen Lande das Wadi el Araba durchziehen, um die Ruinen der alten Felsenstadt in Augenschein zu nehmen.

Säulengang
Chasneh

 

Vom Busen von Akaba aus, in welchem einst die salomonischen Flotten nach dem Goldlande Ophir vor Anker lagen, führt ein viertägiger, öder Weg in einem breiten, von Gebirgszügen begleiteten Tale in einer Längenausdehnung von etwa neun deutschen Meilen bis nach Petra. Auch noch in unseren Tagen ist eine gewisse Vorsicht auf der reise zu empfehlen, und eine hinreichende Bedeckung gegen unvermutete Angriffe räuberischer Beduinen der Umgebung ein notwendiges Übel. In der Nähe der Felsenstadt wird die aufsteigende Straße zusehends beschwerlicher. Zu beiden Seiten des Weges erheben sich wie Pfeilerwände senkrechte, buntfarbige Sandsteinmassen. Einige Grotten treten hie und da aus dem Gestein hervor, das näher und näher auf beiden Seiten der Straße aneinander rückt und sich zu einer Schlucht verengt, an deren Ende sich plötzlich eine freie Gesamtaussicht über die Ruinen von Petra öffnet.

Inmitten des Talkessels, durch welchen sich ein schmaler Bach einen Weg in Schlangenwindungen gebahnt hat, bezeichnen Schutthügel und wenige Trümmerreste ehemaliger Bauten die Stelle, an welcher ehemals die Bewohner der Stadt ihren Geschäften nachgingen und die ankommenden Karawanen mit freudiger Ungeduld erwarteten. Aber diese Erinnerungen, an die einst so blühende Vergangenheit der Lebenden verschwinden vor dem überraschenden Anblick der Grabkammern und Felsentempel, deren reich gegliederte und geschmückte Vorderansicht in wunderbarer Schärfe der Umrisse aus dem Gestein an den Wänden des Talkessels hervortritt und eine vollständige Höhlenstadt erkennen läßt

Beduinen
Beduinen

 

Nur der äußere Stil läßt auf die Zeit ihres Ursprungs einen Schluß ziehen, wobei der allerdings gesunkene Geschmack der späteren römischen Kaiserzeit den Löwenanteil in der Ornamentierung davonträgt. Aber trotzdem ist der Anblick überwältigend großartig und übertrifft jede Vorstellung, die man sich nach den Schilderungen und Beschreibungen von einer Felsenstadt zu machen imstande wäre. Es sind die Wunder der Vorzeit, die hier an dieser einsamen Stelle auf dem Gebiete der alten Edomiter Form und Gestalt gewonnen haben, ohne daß wir, die Söhne des aufgeklärtesten Jahrhunderts der Weltgeschichte, die vielen Rätsel zu begreifen und zu lösen vermöchten, die sich an die Entstehung der Felsenstadt und an die Mittel zu ihrer Ausführung knüpfen. Wie so häufig vor den Werken auch des höchsten Altertums wird die Auflösung versagt, selbst in dem Falle, daß man die vollendeten Vorrichtungen und Werkzeuge unserer eigenen Zeit voraussetzt und an den technischen Vorkenntnissen der damaligen kunstsinnigen Meister nicht zweifelt. Die Bestimmung der einzelnen Anlagen, mit Ausnahme der Gräber, mehrerer Tempel und des Amphitheaters, ist großen Schwierigkeiten unterworfen, da keine Inschriften und Auskunft darüber gewähren und, wie ich bemerkte, nur die römische Architektur, nicht ohne von einheimischen Kunstvorstellungen beeinflußt zu sein, uns wenigstens über die Zeit der Entstehung allgemeine Fingerzeige gewährt. Die modernen Benennungen einzelner hervorragender Trümmer und Gräber können nach keiner Richtung als leitende Führer durch die Felsenstadt dienen. Beduinenweisheit und Überlieferungen im Koran haben sie hervorgerufen. Baal, Pharao, Moses und Aaron, wie man sieht eine sehr gemischte Gesellschaft, spielen dabei eine Hauptrolle. Sowohl die Grabkammern als die Tempel zeigen in ihrem Inneren glatte, leere Wände, und vergebens sucht das Auge nach äußeren Merkmalen, um das Urteil über den Zweck der Felsengrotte zu leiten.

Die Denkmäler der eigentlichen Stadt im Grunde des Talkessels dürften meistens in einer späteren Epoche der Geschichte der Stadt Petra entstanden sein. An der Westseite des Beckens, durch welches der von Oleandergebüschen eingefaßte "Mosesbach" seine nasse Straße dahinzieht, erhebt sich, von der südlich gelegenen Akropolis beherrscht, das sogenannte "Schloß Pharaos" oder das Kasr Firaun. Der Bau, welcher verschiedene Stockwerke erkennen läßt, rührt aus der römischen Zeit her und scheint tatsächlich einem Palaste oder einem Regierungsgebäude angehört zu haben. Eine gepflasterte Straße führte nach einem nahe gelegenen Triumphbogen, aus derselben Epoche wie Pharaos Schloß herrührend. Die Ruinen von Brückenanlagen, Tempeln und öffentlichen Gebäuden folgen dem Laufe des Baches.

Kloster Der
Die Umgebung

 

Die Trümmer einer christlichen Kirche in östlicher Richtung vom Hügel der Akropolis bestätigen die auch historisch beglaubigte Tatsache, daß in den alten Zeiten des Christentums sich in der Höhlenstadt der Sitz eines Bischofs befand. Der Blick nach der im Osten gelegenen Felswand mit ihren Steilabstürzen und Tempel- und Grabfassaden ist von unglaublicher Wirkung. In gerader Richtung nach Osten hin tritt aus der Felswand, im großartigsten Stil angelegt, der sogenannte Tempel mit drei Säulenreihen heraus, welche in drei Stockwerken übereinanderliegen. Die beiden obersten Reihen zeigen je 18 korinthische Säulen. Den Eingang in die inneren leeren Räume vermitteln vier teilweise arg beschädigte Portale. Südlich davon öffnet das sogenannte "korinthische Grab" seine Vorderseite. Acht korinthische Säulen tragen den Oberbau, dessen architektonische Ausführung bis zur Urne auf dem mittleren Turme auch sonst in Petra wiedergekehrt und eine stilistische Eigentümlichkeit der Felsenstadt bildet.
Weiter nach Süden zu nimmt der Charakter der Grabregion einen entschiedenen Ausdruck an; geschmückte und ungeschmückte Eingänge führen in das Innere ausgemeißelter leerer Zimmer, in denen einst die Toten in ihren Särgen ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten. Ihre Reihe wird durch den Tempel oder das Grab mit der Urne unterbrochen, mit einer künstlich von gemauerten Bogen getragenen Terrasse davor, zu der man auf einer Steintreppe emporstieg. Ein Felsenbau von fünf ionischen Säulenstützen bildete eine Art Vorhalle. Über dem Türeingange der Felsengrotte befindet sich ein Fenster, darüber drei andere, und oberhalb des Frieses erhebt sich aus dem Gestein gemeißelt die Figur einer Urne, welche der ganzen Anlage den Namen gegeben hat.

In der Nähe des eben beschriebenen Denkmales öffnet sich nach Süden hin ein Längstal, durch welches der Mosesquell dahinfließt. Es ist das Tal des Wadi es Sik, an dessen breitester Stelle eines der merkwürdigsten Denkmäler von Petra, das dem Gesteine abgewonnene Amphitheater der Stadt, gelegen war. In einem Halbkreise steigen 33 Reihen von Sitzen, von der Bühne in der Tiefe zur felsigen Anhöhe aufwärts, bei einem Durchmesser von über 100 Fuß. Über den obersten Sitzen öffnen sich die Eingänge kleiner Felskammern und Grabbauten, deren Anblick den etwa 3000 Zuschauern im Theater bei den Festvorstellungen nicht entzogen war.

Vom Theater aus führt der weg weiter in südöstlicher Richtung. Das Tal wird immer schmäler, die Felswände immer steiler, aber die für die Aufnahme von Toten bestimmten Grotten, wie Schwalbennester über- und nebeneinander angelegt, nehmen kein Ende. Die Enge nimmt den Charakter eines Felsenspaltes an, in welche nach rechts und links Nebenschluchten einmünden. Wir befinden uns im Sick, welches in alten Zeiten den einzigen, gepflasterten Zugang zur Felsenstadt Petra bildete. Da, wo eine südwärts gelegene Schlucht in das Sicktal mündet, wird der Reisende plötzlich durch einen wunderbaren Anblick überrascht, denn mitten in der dunkeln Steinwelt, welche ihn von allen seiten umgibt, bricht plötzlich helles Tageslicht herein, und, wie von Feenhand ausgeführt, zeigen sich in rosenrotem Scheine die einzelnen Teile eines tempelartigen Felsenschlosses, welches die Beduinen mit dem Namen des Schatzhauses Pharaos (Chasneh Firaun) belegt haben.

Schlucht
Tempel
Anblick

 

Schließlich öffnen sich die grauen Felswände zu beiden Seiten des Weges, und der Blick beherrscht einen freien Platz vor der gegenüberliegenden Steinwand. Mit Recht bewundern wir den Anblick des pharaonischen Schatzhauses in dieser toten Steinwelt, in welche der bildende Künstler mit Meißel und Hammer eine unvergleichliche Lebenswärme hineingezaubert hat. Die feine Ausführung der Arbeit, das zarte Kolorit des Steines, das Malerische der wilden Umgebung — alles vereinigt sich in der glücklichsten Weise, um diesem Denkmale der Vorzeit den Stempel unvergleichlicher Vollkommenheit und seltenster Schönheit aufzudrücken.

Aus dem dunkeln Steinrahmen, welcher die Fassade des Grabes oder Tempels umfaßt, tritt das Juwel von Petra in wunderbarer Erhaltung seiner architektonischen Ornamente zu Tage. Dem Ganzen liegt als Motiv ein Portal zu Grunde, vor welchem sich im reichsten Schmucke der Details eine Vorhalle mit einem Aufbau darüber erhebt. Sechs Säulen (gegenwärtig sind nur fünf davon stehen geblieben) mit ionischem Kapitäl tragen ein geschmackvoll angelegtes Gesims, in dessen Giebelfelde der römische Adler deutlich auf die Zeit der Entstehung des herrlichen Werkes hinweist. Wie ein besonders Stockwerk erhebt sich auf dem Gesims ein von Säulen getragener und durchkrochener Bau, in dessen Mitte ein schlanker Rundturm mit Säulen und gezacktem Kuppeldach zur Höhe strebt und eine reich verzierte Urne auf seinem Knopfe trägt. Da die Beduine steif und fest behaupten, daß in dieser Urne, in etwa 100 Fuß Erhebung über dem Boden, Pharao seinen Schatz aufbewahrt habe, so gab diese echt arabische Legende zum Namen des Schatzhauses Pharaos Anlaß. Die Nischen und Wandblenden des eben beschrieben Aufbaues über dem Gesims der Vorhalle tragen Skulpturwerke, welche weibliche Wesen oder Genien, von denen zwei geflügelt sind, darstellen. Der Eingang durch das Portal führt in ein größeres Gemach mit zwei Nebenräumen, deren Wände der einfach geblätterte Fels bildet. Die neugierige Frage nach dem Urheber und dem Zwecke des wundervollen Werkes in diesem versteckten Felsenwinkel von Petra bleibt für alle Zeiten unbeantwortet.

In der Parallelschlucht, welche unmittelbar südlich vom Amphitheater das Gestein durchbricht und zu neuen Gräbern und Grabvorbauten führt, befindet sich eine seltsame Anlage, die unter dem Namen der Pyramide auf den Plänen von Petra notiert steht. Auch sie bewahrt das Rätsel ihrer Entstehung, und niemand ist in der Lage, die Absicht ihres Gründers zu verstehen. Man nimmt an, daß es ein Grabdenkmal gewesen sei.

In der Nordwestecke der Höhlenstadt zieht sich der Weg durch eine neue Felsenschlucht steil aufwärts in das Gebirge hinein. Eine Riesentreppe, aus dem Gestein gemeißelt, erleichtert den Auf-und Abstieg, der in vielen Krümmungen und Windungen etwa eine halbe Stunde dauert und bis zum höchsten Punkte eines einsam gelegenen Felsplateaus führt. Aus dem nackten Fels herausgehauen, zeigt sich auf der Höhe die Vorderansicht eines Monuments, das in seinen Verhältnissen die oben beschriebene Chasneh übertrifft, aber die Feinheit und künstlerische Ausführung derselben vermissen läßt. Das ganze Werk macht den Eindruck des Massigen, und nur seine Umgebung — Felsenkegel und Klippen in allen möglichen Formen und Lichtfärbungen — verleihen seinem Anblick einen gewissen Reiz an dieser entlegenen Stelle der Höhlenstadt.

Szenen
Das Innere

 

Selbst die Abbildung, die wir unseren Lesern vor Augen führen, reicht hin, um diesen Eindruck zu bestätigen. Unmittelbar vor diesem Denkmale, das die beduinischen Ortsbewohner mit dem Namen des Der oder "Klosters" belegt haben, ist der Boden glatt und kunstgerecht zugehauen. War es ein Grab oder ein Tempel, der fern von der Stadt den Toten oder den Göttern geweiht war? Auch hier bleibt die Frage eine offene, und wir schauen das Der von Petra wie ein Stummes Rätsel an. Die Aussicht von dem höchsten Punkte des Der nach den gegenüberliegenden Gebirgszügen in nordwestlicher Richtung hin ist von großartigster Schönheit und erweckt biblische Erinnerungen an die längst vergangenen Zeiten der jüdischen Patriarchen. Denn drüben über den buntschillernden Sandsteinmassen erhebt sich der Doppelgipfel des Berges Hor zum blauen Äther empor und schaut auf die zerstreuten Klippen, Felswänden und Gipfelkronen mit vornehmer Ruhe herab.

Der Sage nach soll sich das Grab soll sich das Grab Aarons auf dem östlichen Gipfel befinden. Als Moses von Kades aus mit dem Volke Israel bis zum Fuße des Gebirges gelangt war, da bestieg er in Gemeinschaft mit Aaron und seinem Sohne Eleasar die Höhe, und Aaron starb "daselbst oben auf dem Berge." Der Gipfel, welcher die Gestalt eines abgestumpften Kegels hat und sich um mehr als 4000 Fuß über dem Meere erhebt, führt noch gegenwärtig den Namen des Dschebel Nebi Harun oder "des Berges des Propheten Aaron." Ein einfaches im Viereck angelegtes arabisches Schechgrab, wie es verstorbenen Heiligen von den Mohammedanern geweiht zu werden pflegt, bedeckt die Stelle, am welcher Aaron bestattet worden sein soll. Es ist das Kabr Harun oder "Grab Aarons" im Munde der Beduinen von Petra. Die Legende, welche das Grab des Aaron auf den Berg Gor in der Nähe von Petra verlegt, hat diesmal das Richtige getroffen, wenn es auch eine andere Frage ist, ob gerade auf dem beschrieben Gipfel Aaron seine letzte Ruhestätte gefunden hatte.

Altar
Edom

 

Petra, die Felsenstadt, und das umliegende Land, das nach der Hauptstadt bei den Römern den Namen Arabia petraea führte, d.h. nicht das steinige Arabien sondern der Teil Arabiens mit der Stadt Petra, bildet in der ältesten Geschichte des Morgenlandes und im Zusammenhange mit den biblischen Überlieferungen ein wichtiges Gebiet im Völkerleben. In den Urzeiten von semitischen Horitern (ebräisch Hori, d.h. Höhlenbewohnern, Troglodyten) bewohnt, ging es später in den Besitz der "Söhne Esaus" oder, wie auch sein Beinamelautete Edoms, d. h. "des Rotfarbigen" über, dessen Nachkommen, die Edomiter, selbst noch von Griechen und Römern als Idumäer genannt waren. Sie galten den Ebräern als Nationalfeinde und ihre Felsenstadt Petra als die Stätte, auf welche die Verwünschungen der Propheten gehäuft werden. An Edom richtet der Sohar Obadja seinen Fluch, indem er ihm seinen Hochmut mit den Worten vorwirft: "Weil du in den Felsen Klüften wohnst in deinen hohen Schlössern und sprichst in deinem Herzen: wer will mich zu Boden werfen?" Seine Weissagung: "Edom soll wüste werden, daß alle die, so vorübergehen, sich wundern werden über alle ihre Plage."

Berg Hor
Tempel

 

Dieses Wort des Propheten ist buchstäblich in Erfüllung gegangen, denn Edom und sein Felsennest Petra ist in eine Einöde verwandelt, deren Anblick um so schauerlicher auf den reisenden Europäer wirkt, als Tempel und Gräber aller schriftlichen historischen Erinnerungen Hohn spotten und das Gedächtnis ihrer Urheber und ihrer Bewohner verwischt haben. Da wo sich ehemals das Volk von Petra auf Plätzen und Straßen geschäftig umhertummelte oder zu Tausenden vereint von den steinernen Sitzen des Amphitheaters aus den Festspielen zuschaute, oder wo lange feierliche Leichenzüge die Gestorbenen von der Stadt aus nach den Gräbergrotten bergaufwärts hinübertrugen, herrscht heutigestags die Ruhe einer verlassenen Totenstadt. Nur der blendende Sonnenstrahl gibt dem buntfarbigen Gestein der kahlen nackten Bergwände und dem Bildwerkschmuck der Tempel und Grotten den Zauberschein des Lebens.

In der Tiefe und in den Schluchten zieht Beduinenvolk des Südens durch die Stätten der Vorzeit dahin, der Huf ihrer Rosse hallt dumpf von den Felswänden nieder, aber den Nachkommen der Söhne des rötlichen Esau ist Krieg und Raub das Losungswort und ihre Lanze das sprechendste Symbol für das Ziel ihrer Wanderschaft durch die Täler und Schluchten und verfallenen Dörfer des verrufenen Wadi el Akaba.

Grab
Felsentreppe
Amphitheater

 

Quelle: Vom Fels zum Meer, Verlag W. Spemann, 1887, Stuttgart, von rado jadu 2001

 

Die rosarote Stadt der Nabatäer
Basler Ausgrabungen in Petra
Petra - Königin der Weihrauchstraße
Petra Bilder
The Complete Petra
Conservation in an Ancient City
The American Expedition to Petra (AEP)
Great Temple at Petra



webmaster