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Die ältere Geschichte Chinas (2)

Tschin-Dynastie

Der Staat, der schließlich aus diesem Kampfe aller gegen alle als Sieger hervorging und auch dem Kaiserhause der Tschau das Ende bereitete, war der wohl auch stark tatarischen Einflüssen unterworfene der Tschin (Tsin). Der Ahnherr des Geschlechts, Fei tsze, war der Aufseher der Pferde des Kaisers Hsiao (909-895) der Tschau-Dynastie gewesen und von ihm mit dem Gebiete von Tschin belehnt worden. Sein Sohn regierte als Graf von Tschin von 857-848; Po (847-845) war der erste Herzog, Hui wen (337-311) der erste König von Tschin. 256 v. Chr. trat Nan wang, der letzte Herrscher von Tschau, die Herrschaft an Tschao Hsiang von Tschin ab; sein zweiter Nachfolger, Tschuang Hsiang (249-247) setzte 249 den Regenten der östlichen Tschau, den letzten Sprossen der kaiserlichen Familie, ab und machte damit der Dynastie ein Ende. Sein Nachfolger in Tschin unterwarf von 246-221 die bei dahin noch unabhängigen Staaten Han, Tschao, We, Tschai, Tai, Jen und Tschi und bestieg 220 v. Chr. unter dem Titel Tschin Schi Huang Ti*, erster (erhabener) Kaiser der Tschin-Dynastie, den Thron des geeinigten Reiches.
 
Tschin Schi Huang Ti
1_Kaiser
 

Schi Huang Ti, einer der größten Fürsten Chinas, hat bei seinen Landsleuten einen sehr schlechten Ruf hinterlassen, wofür vor allen Dingen zwei Gründe maßgebend gewesen sind: die "Verbrennung der Bücher" und die Erbauung der Großen Mauer. Sze ma tsien (163-85 v. Chr.) hat in seinen "historischen Aufzeichnungen" eine dramatische Schilderung von den Vorgängen gegeben, die der 213 v. Chr. angeordneten Vernichtung der Klassiker (der nur die Bücher über Arznei- und Wahrsagekunst sowie den Ackerbau und die des Meng tsze entgangen sein sollen) vorhergegangen sind. In Wirklichkeit dürfte der Kaiser, um den fortwährenden, sich auf die Überlieferung der alten Zeiten berufenden Kritiken der Literaten ein Ende zu machen, zuerst die Vernichtung der diese Überlieferung enthaltenen Werke befohlen und, nachdem diese Maßregel sich als ungenügend erwiesen, die Hinrichtung der schuldigen Literaten selbst angeordnet haben.

Über 460 Gelehrte, die solche Werke, statt sie zur Zerstörung abzuliefern, zurückbehalten, und über den Kaiser böse Reden geführt hatten, wurden lebendig begraben und die Gesetze mit der größten Strenge gegen alle Verdächtigen in Anwendung gebracht. Der Befehl, der auf Veranlassung des Ministers Li Sze erlassen worden war, lautete dahin, daß alle Chroniken, mit einziger Ausnahme derer des Hauses Tschin, sowie alle Abschriften des Schi king, desSchu king und der Bücher der 100 Schulen verbrannt werden sollten; wer sie nicht ablieferte, wurde gebrandmarkt und zur Arbeit an die Große Mauer geschickt. Daß dem Manne, der eben erst mit gewaltiger Faust das Lehenswesen unterdrückt und das Reich, das ohne seine Familie und ihm in Trümmer gefallen wäre, geeint hatte**, die Lobredner vergangener Zeit lästig waren und vielleicht gefährlich erschienen, ist erklärlich; andere ähnliche Maßregeln hatten schon früher in China Eroberer und Usurpatoren ergriffen, wenigstens hinsichtlich der Annalen der von ihnen unterworfenen Fürstentümer.

Schon Vorfahren Schi Huang Tis hatten seit den letzten Jahren des 4. vorchristlichen Jahrhunderts einzelne Befestigungen gegen die Hu, die Fürsten von Tschao und Jen ähnliche an anderen Stellen gegen dieselben und die Dschung angelegt, die nun unter dem Namen der Hiung nu auftraten. Schi Huang Ti hat wohl nicht mehr getan, als diese einzelnen Stücke zur Großen Mauer zu verbinden, die dann in der Form eines Erdwalles als hinreichender Schutz gegen die Einfälle berittener Räuber in einer Länge von annähernd 2500 km von Mintschau, östlich von Luntschaufu in Kansu, bis nach Tschili hinein ging, vielleicht bis ans Meer, wo eine spätere Mauer jetzt bei Schanhaikwan endigt.

Mauer

Ein Teil der Großen Mauer in China, Nordtschili. Bild aus der Ming-Zeit

Er schritt aber zu dem Bau erst, nachdem er die Hiung nu mit einem großen Heere zurückgetrieben hatte: Die Herstellung der Großen Mauer war daher ebenso ein Siegeszeichen wie eine Abwehr; und aus der späteren Erstarkung Chinas und seinen Vorstößen gegen die im Norden und namentlich im Westen vorhandenen nomadischen Stämme ist deren Ausweichen nach Westen und damit die Überflutung Westasiens und Osteuropas durch sie besser zu erklären als aus dem Vorhandensein der Mauer. Die Gerüchte von den fabelhaften Menschenmassen, die bei dem Bau Verwendung gefunden, dürften kaum Glauben verdienen, aber es ist bezeichnend für die Auffassung des Volkes, daß in seiner Erinnerung die Zeit der Erbauung der Großen Mauer als die einzige lebt, in der die Geburt einer Tochter mit Freuden begrüßt worden sei, da eine solche nicht an die Mauer zur Arbeit hätte geschickt werden können.

Schi Huang Ti (220-210) hat ferner in Hsien jang bei Singanfu ein Schloß, das berühmte O fang kung, gebaut, in dessen Haupthalle im oberen Stocke Raum für 10 000 Personen gewesen sein soll, und in dessen unteren Räumen 50 Fuß hohe Fahnen aufgestellt werden konnten. Um diese Räume herum liefen Galerien; ein als Weg dienender Hochbau führte von dort auf der einen Seite zum Kamme des südlich gelegenen Gebirges, ein anderer über den Fluß Wei nach der Hauptstadt. Ein Tor des Palastes soll aus Magnetstein bestanden haben: suchte ein Krieger im Eisenpanzer oder auch nur jemand mit einer heimlichen Waffe durch das Tor zu gehen, sei er durch den Stein auf der Stelle festgebannt worden. Eine ähnliche, die Wirkung des Magnetsteins auf das Eisen erwähnende Sage findet sich später in der Geschichte des volkstümlichen Helden Tschu ko liang (181-234) und ist dort wohl auf indische Einflüsse zurückzuführen; wenn die sich auf Schi Huang Ti beziehende Sage nicht ebenfalls aus jüngerer Zeit stammt, so könnte sie auf die Maßregeln zurückzuführen sein, die er zur allgemeinen Entwaffnung des Volkes getroffen hat. Aus den bei der Gelegenheit eingesammelten Waffen sollen Glocken und zwölf Standbilder von Barbaren angefertigt worden sein; von den letzteren sind angeblich einige bis über das 3. Jh. n. Chr. erhalten geblieben.

Zur Befestigung und Erhaltung der Dynastie der Tschin und des von ihrem ersten Kaiser geschaffenen Werkes hätte es einer Reihe bedeutender Männer bedurft; doch Schi Huang Ti, der seine Residenz in der Nähe von Singanfu gehabt hatte, starb bereits 210. Bei seinem Begräbnis wurde eine Anzahl seiner Frauen und Diener und der bei den Arbeiten beschäftigten Handwerker ihm mit in das Grab gegeben. Da sein älterer Sohn Fusu beseitigt worden war, bestieg der jüngere als Örhschi Huang Ti, zweiter Kaiser, den Thron. Aber sofort erhoben sich in allen von seinem Vater unterworfenen Lehensstaaten neue Prätendenten, gegen welche die kaiserlichen Heere zuerst erfolgreich, dann aber unglücklich kämpften. Endlich (207 v. Chr.) ermordete der Eunuch Tschao Kao den Kaiser und setzte dessen Neffen Tsze Jing auf den Thron; dieser aber übergab schon nach 64 Tagen die Herrschaft an Liu Pang, Herzog von Pei, einen früheren Beamten und späteren ersten Kaiser der Han-Dynastie. So endete ruhmlos 206 die Tschin-Dynastie.

* nach moderner Transkription: Tsin Schih Huang Ti
** absolutistischer Einheitsstaat entstand: einheitliche Münzen, Gewichte, Maße, Schriftzeichen und allgemeines Recht, prägend Bodenreform, Beamtenstaat, kleiner Adel

Zeittafel ausgewählter Daten der Tsin-Zeit

256 v. Chr. Tschao Hsiang. Übernimmt die Regentschaft von Nan wang, letzte Herrscher von Tschau. Ende der Tschou-Dynastie
249 Tschuang Hsiang, zweiter Nachfolger Tschao Hsiangs (249-247), setzte den Regenten der östlichen Tschau, den letzten Sprossen der kaiserlichen Familie, ab
246-221 Sein Nachfolger in Tschin unterwarf die bei dahin noch unabhängigen Staaten Han, Tschao, We, Tschai, Tai, Jen und Tschi und bestieg 220 v. Chr. unter dem Titel Tsin Schih Huang Ti, erster (erhabener) Kaiser der Tsin-Dynastie, den Thron des geeinten Reiches
218 Mißglückter Anschlag auf Tsin Schih Huang Ti
213 Große Bücherverbrennung
210 Tod des ersten Kaisers
209-207 Tsin Er Huang Shi
209 Erster bedeutender Bauernaufstand in der chinesischen Geschichte unter Chen Sheng und Wu Guang
206 Bauernführer Liu Bang erobert Xiangyang. Gründung der (Westlichen) Han-Dynastie