Die sagenhafte Zeit

 

 

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Die sagenhafte Zeit geht nach einigen bis Jü, d.h. bis zum Beginn der Hsia-Dynastie, 2205 v. Chr., nach anderen bis zum Anfang der Tschau-Dynastie, 1122 v. Chr., doch gehen die Angaben über Daten auch bei den Chinesen weit auseinander; Übereinstimmung tritt erst mit dem Jahre 850 v. Chr. ein.

Die Herrscher dieser Zeit sind: Huang Ti, 2704-2595 v. Chr. in Tschili; Scha Hao, 2594-11, sein Sohn, in Schantung; Tschan hsü, 2510-2433, Neffe des vorigen, in Tschili; Ti Ku, 2432-2363, sein Neffe, in Honan; Ti Tschi, 2362-58, Sohn des vorherigen, wird abgesetzt; Jao, 2357-2258, sein Bruder, in Schansi; Schun, 2258-06, Schwiegersohn Jaos, in Schansi. Fu hi, Schen nung, Huang Ti, Jao und Schun werden häufig gemeinsam als die "Fünf Kaiser" bezeichnet.

Die Entwicklung des Volkes schreitet nur langsam vor; es muß, selbst nach Ansicht der Chinesen, auf einer sehr niedrigen Stufe gestanden haben, da unter Huang Ti die Benutzung bemasteter ausgehöhlter Baumstämme zu Booten als etwas Neues aufgeführt wird und derselbe zuerst die fünf Farben (Grün oder Blau, Rot, Schwarz, Gelb und Weiß) nach denen der Vögel und Blumen bestimmt haben soll. Als Beginn einer lang andauernden staatlich-sozialen Ackerbauwirtschaft wichtig ist die Einteilung des Ackerlandes in je neun Felder, jedes zu hundert Mau (675,68 Ar).

Von diesen Feldern, die in drei Reihen zu je drei Feldern liegen, sind die acht äußeren für das Volk, das mittlere für die Regierung bestimmt, die ihre Interessen, wie die Aufsicht über die Volksfelder, durch besondere Beamte ausüben läßt. Ein solches Feld hieß ein Lin, 3 Lin = 1 Ping, 3 Ping = 1 Li, 5 Li = 1 J, 10 J = 1 Du, 10 Du = 1 Schi, 10 Schi = 1 Tschau: aus dem Tschau (Bezirk oder Provinz) scheinen sich die späteren Lehensfürstentümer entwickelt zu haben.


I
n die Regierungszeit Schuns fallen die Arbeiten Jüs, die den Inhalt eines "der Tribut von Jü: Jü Jükung" betitelten Abschnitts (III.1) des Schuking, bilden. Von vielen sind sie mit den chinesischen Erklärern als die Erzählung von einer großen Flut und der von Jü unternommenen Arbeiten zu ihrer Ableitung aufgefaßt worden, von Richthofen und anderen nach ihm als ein Abschnitt von besonderer, wenn nicht ausschließlich geographischer Bedeutung. Jü*, der es verstanden hatte, sich durch seine Tätigkeit das Wohlwollen Kaiser Schuns zu erwerben, erhielt von ihm seine beiden Töchter zu Gemahlinnen, wurde, da der Sohn des Kaisers sich als unwürdig erwies, sein Nachfolger und schlug seine Residenz in Schansi auf. Er war der erste Kaiser der Hsia-Dynastie, die mit 17 rechtmäßigen Herrschern von 2205-1766 regierte.
 

Die Zwischenzeit von 2118-2079, während deren der Usurpator Han Tscho herrschte, ist das bewegteste Stück dieses Zeitalters. Der Enkel Jüs, TainKang, ein ausschweifender Fürst, wurde nach 29jähriger Regierung 2160 abgesetzt: ihm folgte sein jüngerer Bruder, Tschung kang Dessen Sohn Ti Hsiang wurde 2119 von Han Tscho besiegt, der alle Angehörigen der Jü-Familie ermorden ließ. Die Kaiserin aber entfloh und gebar auf der Flucht einen Sohn, Schao Kang, der nach vielfachen Abenteuern 2079 den Usurpator tötete. Der letzte Kaiser dieser Dynastie, Ti Kwei (Tschie), und seine Gemahlin Mei hi werden als ausschweifende Tyrannen geschildert, deren Herrschaft tatsächlich bereits 1783 Lü, Prinz von Schang, ein Nachkomme Huang Tis, ein Ende machte. Doch erst 1766 bestieg Lü als Tscheng Tang und erster Kaiser der Schang**- (seit 1401 auch Jin genannten) Dynastie, die bis 1122 regierte, den Thron. Auch über die 28 Fürsten dieser Dynastie, von denen in den Annalen meistens nur die Namen aufgeführt werden, ist wenig zu berichten. Tscheng Tang (1766-54), der in Honan residierte, war ein kräftiger und gerechter Herrscher. Unter seinen Nachfolgern wurde die Residenz häufig verlegt: nach verschiedenen Plätzen in Honan, nach Schantung, Tschili und Schensi.

Der letzte Kaiser Tschau hsin (1154-22), wie der Letzte der Hsia ein grausamer Tyrann, dem ebenfalls eine entartete Fürstin, Tan ki, zur Seite stand, wurde durch Wu wang von Tschau entthront.Die Feindseligkeit zwischen beiden Familien scheint schon lange bestanden zu haben, zum mindestens seitdem Tan fu, der "alte Herzog" (Ku Kung)

seinem Gebiet 1327 den Namen Tschau beigelegt hatte. Sein Enkel Wen wang (König Wen) oder Hsi po (Häuptling des Westens) versuchte, nach chinesischen Quellen, vergeblich den Kaiser auf bessere Wege zurückzuführen: er starb 1135. Sein Sohn Wu wang endlich stand gegen Tschau hsin auf und besiegte ihn bei Mu 1122, worauf sich der Kaiser mit seinen Weibern und Schätzen in seinem Palast verbrannte. Wu wang bestieg den Thron 1122; mit ihm begann die Tschau***-Dynastie (bis 249 v. Chr.)

Der Beginn der geschichtlichen Zeit wird gewöhnlich in das Jahr 875 gesetzt wegen einer in diesem Jahr am 29. August beobachteten Sonnenfinsternis, der unter der Regierung des Kaisers Jü wang Erwähnung geschieht, weil man damit ein Datum genau festlegen kann; es liegt aber kein Grund vor, nicht bereits mit der Tschau-Dynastie die geschichtliche Zeit anfangen zu lassen.

* nach moderner Transkription: Yü (Hsiao, 2205-1766)
** erste heute nachweisbare Dynastie: Schang (1766-1122, nach moderner Transkription Schan), Frühfeudalismus, Priesterkönigtum
*** nach moderner Transkription: Tschou (1122-249)