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Der Konfuzianismus in der Tschau-Dynastie

Kung fu tsze*

Unter Ling wang (571-544) ward Kung fu tsze (Konfuzius) aus einer Seitenlinie das Kaiserhauses Schang 550 in Lu geboren. Bereits in jungen Jahren erhielt er, vermutlich durch den Einfluß der Familie Ki, einer der drei größten des Fürstentums, zu der er in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnisse gestanden zu haben scheint, ein Amt, vertauschte es aber gegen 517 mit der Lehrtätigkeit, indem er eine Anzahl junger Leute aus den großen Familien um sich versammelte, mit denen er im Lande umherzog und auch die damalige Reichshauptstadt besuchte. Dort soll er, einer späteren Überlieferung nach, mit dem viel älteren Lao tsze zusammengetroffen sein, der Aufseher der Schatzkammer war. Nachdem er nach Lu heimgekehrt war, brachen dort zwischen den drei mächtigsten Familien des Fürstentums, Ki, Schuh und Mang, Streitigkeiten aus; als dabei der Herzog vertrieben ward, folgte ihm Kung in das benachbarte Fürstentum Tse. Da er dort keine Anstellung fand, kehrte er wieder nach Lu zurück; indessen dauerte es auch hier 15 Jahre, ehe er ein Amt erhielt, zuerst als erster Beamter der Stadt Tschung tu, dann als Gehilfe des Oberaufsehers der öffentlichen Bauten und schließlich als Justizminister. In allen drei Stellungen soll er Bedeutendes geleistet haben, schließlich aber den Machenschaften seiner Gegner unterlegen sein, die in dem Geschenke von 60 schönen Tänzerinnen und Sängerinnen an seinen Herzog ihren wirkungsvollsten Ausdruck gefunden hätten.

Wahrscheinlicher ist, daß die Familie Ki, die ihm die Stellungen verschafft hatte, ihn auch wieder gestürzt hat, als sie sah, daß Kung versuchte, die Macht der großen Lehensträger im Fürstentum zu brechen und ihre befestigten Städte zu zerstören. Dem Einflusse dieser Familie wird es auch zuzuschreiben sein, daß Kung, nachdem er jahrelang im Reich herumgezogen war, ohne eine Anstellung zu erlangen, erst 483 als gebrochener Greis nach Lu zurückkehren durfte. Hier ist er 478 v. Chr., 73 Jahre alt, verbittert durch das Fehlschlagen aller seiner Hoffnungen, gestorben. Seine letzten Worte waren: "Kein weiser Herrscher erscheint, niemand im ganzen Reich will mich zu seinem Berater machen; es ist Zeit für mich, zu sterben."

Einer seiner neueren Erklärer sagt von ihm: "Konfuzius sprach mit Vorliebe von dem Gewöhnlichen, Regelrechten und nicht von dem Ungewöhnlichen, Außerordentlichen; er sprach von dem, was man durch Tätigkeit und darauf beruhende Kraft, und nicht von dem, was man durch überlegene Macht erreichen kann; er sprach von Zuständen der Ordnung und nicht von anarchischen Zuständen mit ihren Intrigen: er sprach von menschlichen und nicht von überirdischen Dingen. Er lehrte das Verständnis der in den Schriften der Alten enthaltenen Grundsätze, und in Gemäßheit derselben zu handeln, die Moralität des Herzens und wie den ethischen Prinzipien treu zu bleiben." Wenn er auf die Frage eines seiner Schüler, ob es kein Wort gäbe, das als Regel für das Verhalten während des ganzen Lebens angesehen werden könne, erwidert: "Ist nicht Gegenseitigkeit ein solches Wort?" und dann, auf die Vorhaltung eines anderen Schülers, ob man nicht Böses mit Gutem vergelten sollte, fortfährt: "Und womit soll man dann Gutes vergelten? Vergeltet Böses mit Gerechtigkeit und Gutes mit Gutem", so stand er damit ebenso auf dem Standpunkte der großen Menge (Lao tsze im Tao teh king vertritt schon die goldene Regel), wie wenn er die in China damals und noch lange herrschende Blutrache ausdrücklich bestätigte.

In der Lehrtätigkeit des Kung fu tsze und seinem Herumziehen von einem Fürstenhofe zum anderen etwas Besonderes sehen zu wollen, wäre falsch: lange vor ihm und nach ihm sind in China Leute herumgezogen, meistens mit einem starken, oft mehrere Tausende betragenden Gefolge von Schülern und Anhängern , die vielleicht mit den jüdischen Propheten, mit den brahmanischen und buddhistischen Weisen und den griechischen Philosophen zu vergleichen wären. Halb Rhetoren, halb Politiker, suchten sie an den Fürstenhöfen Beschäftigung und Anstellung; wegen ihrer Anmaßung, ihrer Überhebung und ihrem Besserwissen, und vielleicht noch wegen ihrer materiellen Ansprüche nirgends gern gesehen, den Fürsten und oft auch der Bevölkerung eine Last und den zünftigen Staatsmännern ein Greuel, konnten sie sich meistens, auch wo sie anfänglich Anerkennung und praktische Verwendung gefunden hatten, nicht lange halten und unterlagen den Ränken der eingeborenen Adels- und Beamtenfamilien, die sich in jedem der kleineren Staaten um die Macht stritten.

Nach dem Tode des Kung fu tsze", heißt es in der Geschichte der frühen Han-Dynastie (206 oder 202 v. Chr. bis 8 n. Chr.), "war es mit seiner Lehre zu Ende, und nachdem seine 70 Schüler (damit sind wohl die hauptsächlichsten gemeint) hingegangen waren, wurde sie entstellt. Es gab eine große Anzahl verschiedener Texte des Schu king, des Schi king und des I king; während der Unordnungen und Fehden zur Zeit der kämpfenden Staaten lagen Wahrheit und Falsch noch mehr im Streit, und in den Lehren der verschiedenen Gelehrten herrschte große Verwirrung."

Kung fu tsze.
Aus der Tang-Zeit
stammelndes Bild
Kungfu_tsze
Meng _tsze
Meng Tsze.
Bild aus der
Tang-Zeit


Meng tsze

In dieser Zeit des Niedergangs der Lehre und des Reiches trat Meng tsze (Mencius) auf. Im Jahre 371 ebenfalls in Lu geboren als ein Abkomme einer der drei großen Familien, die sich zur Zeit des Kung fu tsze in die Herrschaft des Fürstentums geteilt, dann aber ihre Stellung eingebüßt hatten und verarmt waren, hat er eine seines Vorbildes ähnliche Laufbahn gehabt. In seinem heimatlichen Staate sammelte er bereits früh eine Anzahl Schüler um sich, die nach der Sitte der Zeit je nach ihren Mitteln zu seinem Lebensunterhalte beitrugen; aber bereits 331 gab er dieses ruhige Leben auf und zog mit seinen Schülern aus, um eine politisch-reformatorische Tätigkeit an den Höfen der kleineren Fürstentümer zu beginnen. In Tse bekleidete er bis 323 ein unbedeutendes Staatsamt, anscheinend ohne besonderen Erfolg, zog dann weiter nach Sung, Su, Tsao, Tang, Leang und schließlich wieder nach Tse, bis er endlich 309 entmutigt und enttäuscht nach Lu zurückkehrte. Hier lebte er zurückgezogen und starb, vergessen und unbeachtet, 289 v. Chr.

Obgleich Meng tsze unzweifelhaft ein viel bedeutender und tatkräftigerer Mann als Kung fu tsze gewesen ist, hat es doch über 1300 Jahre (bis 1088 .Chr.) gedauert, ehe er eine offizielle Anerkennung und einen Platz, wenn auch nur als vierter unter den Schülern in den Tempeln des Kung fu tsze, erhalten hat und seine Werke unter die klassischen aufgenommen wurden. Diese amtliche Mißachtung, die wenig mit der Beachtung übereinstimmt, die ihm seit dem 2. Jh. n Chr. durch literarische Kreise geworden war, ist wohl darauf zurückzuführen, daß, während Kung streng an die Oberherrlichkeit und Herrschaft des Kaiserhauses festhielt, auch jede Überschreitung der enggezogenen Grenzen des Zeremoniells durch einen der Reichsfürsten als eine unberechtigte Anmaßung verurteilte, Meng bereits die Unhaltbarkeit der bestehenden Dynastie, die in der Tat 40 Jahre nach seinem Tode zusammenbrach, eingesehen hatte und für den Gedanken eintrat, daß das Kaisertum dem Würdigsten gehöre.

Außerdem war ihm in seinen Lehren das Volk alles. "Das Volk", sagte er, "ist das Wesentlichste in einem Lande; die Gottheiten des Ackerlandes und Getreides kommen dann, der Herrscher ist das Unwichtigste." Bei der Erklärung der Stelle im Schuking: "Der Himmel sieht, wie mein Volk sieht; der Himmel hört, wie mein Volk hört", sagt Meng, daß der Himmel nicht spreche. Wenn der, dem die Herrschaft zugefallen sei, sie gut führe, so sei das ein Beweis, daß der Himmel sie ihm übertragen habe; führe er sie schlecht, so werde schon jemand aufstehen, der sie ihm nähme. So habe der Gründer der Tschau-Dynastie den letzten unwürdigen Herrscher der Schang-Dynastie gestürzt und sich dadurch als ein Werkzeug des Himmels gezeigt; und Meng fordert sogar den König Süen, bei dem er sich befindet, auf, dasselbe zu tun und die Tschau zu stürzen, die sich des Thrones unwürdig gezeigt hätten.

Selbstverständlich haben solche Grundsätze den Mann, der sie so offen aussprach, bei den Herrschern seiner und späterer Zeiten nicht beliebt machen können; die von ihm verkündeten Grundsätze sind aber ein wesentliches Gegengewicht gegen absolutistische Gelüste der chinesischen Herrscher geblieben. Mengs Erörterungen über die Frage, ob die Natur des Menschen gut oder schlecht sei, gegen die Forderung der damaligen Sozialisten, daß jeder, besonders der Fürst, sich seines Leibes Nahrung selbst beschaffen, d.h. säen, ernten und zubereiten müsse, gegen Mi Tis Lehre von der "allgemeinen Liebe", d.h. dem Wohlwollen gegen alle, gegen den Grundsatz des Taoisten Tschan Tschu, "Jeder für sich selbst", seine philosophischen Auseinandersetzungen über Vorausbestimmung, kindliche Liebe, leidenschaftliche Natur und anderes mehr beweisen, wie rege das geistige Leben in China zu seiner Zeit gewesen sein muß. Vielleicht hat dort, wie in Deutschland, dieselbe Kleinstaaterei, die den politischen Gesichtskreis des Volkes und der Fürsten beschränkte, die wissenschaftliche Entwicklung gefördert.


Zeittafel ausgewählter Philosophen der Tschou-Epoche
(Schreibweise nach moderner Transkription)

551-479 Kungfutse*
468 Mo Ti*
440-380 Tschan Tschu (Taoismus)
430-340 Laotse* (Taoismus)
372-289 Mengtse* (Konfuzianismus)
360-280 Tschuangtse (Taoismus)
330-227 Xuntse (Konfuzianismus)