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Religion, Philosophie und Kultur der alten Chinesen (2)

Der Kulturzustand der alten Chinesen

Selbstverständlich hat eine so hohe geistige Entwicklung, wie Taoismus und Konfuzianismus sie aufweisen und wie sie nach dem Zeugnisse der großen Erklärer dieser Lehren und den in den klassischen Werken enthaltenen Belegen schon lange vor der Zeit des Lao tsze und des Kung fu tsze bestanden haben muß, nur auf den Boden einer allgemeinen Bildung und einer verhältnismäßig hohen Kultur stattfinden können. Im Tschau li, I li und Li ki finden wir Beweise für eine streng durchgebildete Verwaltung. Die Rechte und Pflichten aller Schichten des Volkes sind bis auf das kleinste vorgezeichnet. Jede Jahreszeit hat ihre bestimmten Aufgaben. Die bei Begräbnissen, Empfängen, Einweihung von Tempeln, Festmahlen und Trinkgelagen, Bogenschießen usw. zu beobachtenden Handlungen sind genau vorgesehen. Die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern und die von diesen gegenüber jenen zu beobachtenden Formen sind geregelt.

Kriegswagen   


Kriegswagen eines chinesischen
Feldherren in alter Zeit

Gefäß

Chinesisches Gefäß
aus der Zeit der
Tschang-Dynastie
(1766-1122 v. Chr.)


D
er Bewaffnung und den Bewegungen der Truppen, denen Befehle durch Signale erteilt werden, wird große Aufmerksamkeit geschenkt. Mit ein, zwei, drei oder vier Pferden nebeneinander bespannte offene und bedeckte zweirädrige Wagen sind im Gebrauch; für den Krieg dienen meistens mit zwei Pferden bespannte Wagen, die drei Personen tragen: den Wagenlenker, einen Lanzenträger und einen Bogenschützen; der Kaiser zieht mit 10 000 Wagen ins Feld. Reiterei scheint in den ältesten Zeiten nicht verwendet worden sein; aber schon im 2. Jh. n. Chr. finden sich Abbildungen von Reiterkämpfen. Die Waffen sind Spieß, Hellebarde, Schwert, Keule und Axt, Bogen und Pfeile sowie Armbrüste; Schutzwaffen scheinen ein kleiner Schild und ursprünglich wohl aus Leder gefertigte Harnische gewesen sein, denen bald Ketten- und Plattenpanzer folgen.

Auch in den Künsten des Friedens hatten die Chinesen tausend Jahre vor der christlichen Zeitrechnung schon bedeutende Fortschritte gemacht. Die Bronzegefäße, angeblich aus der Hsia-, Tschang- und der Tschau-Dynastie, von denen einzelne wohl bis auf die heutige Zeit erhalten sind (im Po ku tu lu, dessen erste Ausgabe 1119-26 entstand, und im Si tsing Kan kien, dem auf Befehl des Kaisers Kien lung 1759 herausgegebenen Werk über seine Sammlung von Altertümern, befinden sich zahlreiche Abbildungen davon), zeigen vortreffliche Arbeit und reiche, oft Tiergeschlinge darstellende Ornamente; auch größere und kleinere Glocken und Schellen finden sich vielfach. Schöne Nephritarbeiten, besonders Opfergefäße, Teller und Endstücke für Wagendeichseln, sind ebenfalls in großer Anzahl vorhanden. Die Seidenweberei muß weit vorgeschritten gewesen sein, und die Aufmerksamkeit, die ihr auch an Höfen des Kaisers und der Fürsten entgegengebracht wurde, hat ihre Entwicklung sicherlich vorteilhaft beeinflußt. Über Töpferei ist wenig bekannt. Aus dem 2. und 3. Jh. v. Chr. liegen bestimmte Beweise für die Herstellung tönerner Gefäße, auch zur Mitgabe in Gräber, und namentlich Dachziegel vor; aber zweifellos wurde irdene Ware schon viel früher anfertigt. Porzellan dagegen stammt erst aus dem 6. und 7. Jh. unserer Zeitrechnung.

Über die Erfindung der Schriftzeichen ist nichts Bestimmtes bekannt. Aus dem wohl dem 12. Jh. v. Chr. entstammenden Tschau li geht hervor, daß in jedem neunten Jahre die Geschichtsschreiber der verschiedenen Fürstentümer zur Vergleichung der Aussprachen und Schriftzeichen in der Reichshauptstadt zusammenkamen. Nach einem Lexikographen des 12. Jh. n. Chr., Tai tung, haben die ersten kraftvollen Fürsten der Tschau-Dynastie in dieser Beziehung Ordnung und Einheit geschaffen; und in der aus dem 5. Jh. v. Chr. stammenden "Unveränderlichen Mitte" wird erwähnt, daß es nur dem Kaiser gebühre, die Gebräuche anzuordnen, die Maße festzusetzen und die Zeichen zu bestimmen: jetzt hätten durch das ganze Reich alle Wagen Räder von derselben Form, und alle Schrift werde mit denselben Zeichen geschrieben.

Durch Riemchen zusammengehaltene Täfelchen aus Bambus dienten bis nach Kungs Zeiten zum Schreiben; in diese wurden die Zeichen zuerst eingeschnitten, später mit einer lackähnlichen Flüssigkeit aufgemalt. Die Erfindung oder wenigstens Verallgemeinerung des Haarpinsels stammt erst aus der Zeit nach 220 v. Chr. Später kamen Seide und andere billigere Stoffe zur Verwendung. Papier aus Baumrinde, Hanf und alten Netzen stammt von 105 n. Chr., solches aus Lumpen erst aus dem 4. bis 5. Jh. n. Chr.; indessen ist auch Seide nachweisbar noch bis 418 n. Chr. benutzt worden.

Von ganz besonderem Interesse für unsere Kenntnis der alten Kultur der Chinesen sind die in Schantung an verschiedenen Orten noch vorhandenen Überreste der inneren Beläge von Grabkammern. Die beiden hauptsächlichsten Fundstellen befinden sich am Wu tsze schan und am Hiao tang schan, aber auch in Honan und Sz'schwan sind ähnliche Grabstellen gefunden worden. Sie stammen aus dem 2. Jh. n. Chr., hauptsächlich von 147-169 und 125-137; doch kann es nach literarischen Angaben keinem Zweifel unterliegen, daß bereits im 2. Jh. v. Chr. die Kunst, flache Reliefs darzustellen, in China weit verbreitet gewesen ist. Die auf den inneren Belägen der vorerwähnten Grabkammern dargestellten Szenen, deren Kenntnis uns namentlich Edouard Chavannes vermittelt hat, sind fast ausschließlich den klassischen Werken entnommen; aber sie geben in ihrer Mannigfaltigkeit, bei der Darstellung von Wagen, Reitern, Kampf, Jagd und Fischfang, kaiserlichen Empfängen und feierlichen Aufzügen mit Elefanten, Kamelen und Affen ein charakteristisches Bild von Altchina.

Einige Abbildungen von Palästen mit reichem äußeren Schmucke finden eine vervollständigende Erklärung in einem von Wang Wenkao in der zweiten Hälfte des 2. Jh. n. Chr. verfaßten Gedicht über den "Palast der übernatürlichen Klarheit", den König Kung, Sohn des Kaisers King (154-140 v. Chr.), in der zweiten Hälfte des 2. Jh. v. Chr. zu Lu in Schantung hatte errichten lassen. Wang beschreibt ihn:

"Ganz oben befinden sich in großer Anzahl Barbaren auf den oberen Balken; sie scheinen die Regeln des Anstandes zu beobachten, indem sie niederknien, und sie sehen sich einer den anderen an; Sie haben große Köpfe und den stieren Blick des Geiers; sie haben ungeheure Köpfe mit tiefliegenden Augenhöhlen und machen die Augen weit auf; sie machen den Eindruck von Leuten, die sich an einem gefährlichen Platz befinden und Furcht haben; von Schrecken ergriffen, runzeln sie die Augenbrauen und sind voller Unruhe. Göttliche Wesen sind ganz oben auf dem First; eine Frau aus Nephrit sieht das Fenster an und blickt nach unten. Plötzlich wird der Blick getrübt durch die Menge der Geräusche und Formen, als wenn Dämonen und Geister dort wären. Man hat alle Arten und Menge der Wesen dargestellt, die im Himmel und auf der Erde sind, die verschiedensten Gegenstände, die merkwürdigsten Wunder, die Götter der Berge, die Geister der Meere. Man hat ihre Bilder dargestellt. Mit roten und blauen Farben hat man die tausend Figuren und die zehntausend Verwandlungen dargestellt. Jedes Ding hat seinen Platz und seine Art; dank der Farbe sieht jedes seiner Gattung ähnlich, durch die Kunst hat man ihr Wesen ausgedrückt. Oben geht man zurück bis zu der großen Trennung (der beiden Elemente aus dem Chaos) und bis zum Anfang des ältesten Altertums; da sind die fünf Drachen mit zwei Flügeln, Dschen hoang mit seinen neun Köpfen, Fu hi mit seinem schuppenbedeckten Körper; Niu kwa und sein Oberkörper, der in eine Schlange ausläuft. Das Chaos ist groß und unförmig; sein Aussehen ist roh und unbearbeitet. Und hier erscheinen, glänzend von Licht, Hoang ti, Tang und Jü; sie haben den Wagen hien und den Hut nien; ihre Mäntel und ihre Kleider sind verschiedene Kleidungsstücke. Unten kommt man zu den drei Dynastien (den Hsia, Jü und Tschau); hier sind die kaiserlichen Lieblingsfrauen und die Häupter der Aufstände, die treuen Untertanen und die frommen Söhne, die hervorragenden Männer und die tugendhaften Frauen; die Weisen und die Dummen, die Sieger und die Besiegten; es gibt niemand, der nicht vorhanden wäre. Die bösen Beispiele sind da, um die Welt vom Schlechten abzuwenden, die guten, um die Nachwelt zu lehren."

Die auf den Tafeln der Grabkammern abgebildeten Paläste zeigen Vögel (Pfauen, Fasanen, Trappen, Eulen, Reiher, Krähen) und spielende Affen, auch einen auf einen Hasen stoßenden Falken auf den Firsten der Dächer und auf den breiten, dachförmigen Bedeckungen anscheinend freistehender Säulen; andere Tafeln enthalten Darstellungen fabelhafter Wesen aus der mythischen Zeit sowie Bilder der alten Kaiser und Helden, die den von Wang beschriebenen ähneln.

Relief

Altchinesisches Steinrelief: Flachornamente auf dem sechsten Steine der vorderen Grabkammern der Familie Wu in Schantung, um 150 n. Chr.


Erklärung des altchinesischen Steinreliefs

Am Fuße des Höhenzuges Wu Tsche schan (Ts'e jun schan) im Bezirke von Kia siang (Schantung) befindert sich die umfangreiche und für unsere Kenntnis der altchinesischen Steinbildhauerei überaus wichtige Grabanlage der Famlie Wu, die im 2. Jh. n. Chr. geblüht hat.

Wu ting (Kao Tsung, 1324-1266; 20. Kaiser der Schang-Dynastie, angeblich Ahnherr der Familie Wu. Nach Generationen:

Wu (anonym) dessen Söhne:

1 Wu Sche kung 2 Wu Suei tsung (Leang)
  3 Wu King hing 4 Kai ming
General in der Provinz Wu
  dessen 3 Söhne     dessen 2 Söhne:
1 Wu Tschung tschang

2 Wu Ki Tschang

?
Wu Tse-Kiao

3 Wu Ki li 1 Wu Siuen Tschang (Pan)
* 115
gest. 145 als Befehlshaber von Tuenhang (Kansu)
2 Wu slan ho (Jung)
gest. 169

Die von den 4 Söhnen dem gemeinsamen (ungenannten) Vater 147 n. Chr. und dem frühverstorbenen Wu Pan gesetzten Denkmäler sind wegen ihrer Basreliefs, die das Leben und Treiben unter der späteren oder östlichen Han-Dynastie getreulich wiedergeben, auch den neueren Chinesen selbst interessant erschienen: 1786 sind von den Flachornamenten Abklatsche durch Hoang J (Siao sung) genommen worden, ergänzt 1789 durch Li Ko tscheng und Liu Tschao jung und zuletzt 1820.
Über die Beschaffenheit dieser Reliefs sagt Edouard Chavannes: "Die Personen und die Gegenstände sind flach, erheben sich aber ungefähr 2 mm über die Außenseite des Grundes; man könnte sagen, sie seien mit dem Ausschneideeisen ausgeschnitten und dann auf eine gleichmäßige Fläche aufgeklebt. Die Schatten und die Einzelheiten sind durch Hohlrisse angedeutet."
Die oben wiedergegebenen Basreliefs befinden sich auf dem 6. Steine der vorderen Grabkammern, der eine Länge von 2 m und eine Höhe von 0,8 m hat. Die Darstellung zerfällt in zwei Bänder von ungleicher Größe:
Oberes Band. Die zwei letzten Wagen links sind, wie die Inschriften bezeugen, die des Schreibers und des militärischen Befehlshabers. Am äußersten Rande links befinden sich drei Edle auf Pferden, von denen das eine, kühn-ungeschickt gezeichnet, den Kopf rückwärts dreht. Rechts (auf unserer Wiedergabe nicht mehr sichtbar) hält eine Person einen Schild und ein Schwert, eine zweite eine Armbrust; eine kniende Frau scheint um Gnade zu bitten.
Unteres Band. Ein Kampf, der gleichzeitig zu ebener Erde, auf einer Brücke und auf einem Flusse mit Booten geführt wird. Zur Rechten (bei uns nur noch zum kleinsten Teile noch sichtbar) befinden sich, wie die Inschriften sagen, die Wagen des Polizeihauptmanns, des Steuereintreibers und des Schreibers, zur Linken die des Hauptsteuereinnehmers und des Schriftmeisters.