Der Boden

Das ungeheure Reich, das mit seinen drei Außenländern, der Mandschurei, der Mongolei (Dsungarei, Ili und Ostturkistan) und Tibet (seit 1905) 11 138 880 qkm umfaßt, von denen 5 369 100 auf das eigentliche China einschließlich des Neuen Gebiets (Sin-tsiang), 942 000 auf die Mandschurei, 3 543 000 auf die Mongolei und 2 109 000 qkm auf Tibet kommen, liegt im östlichen Teile von Asien zwischen 50° und 19° nördl. Br. und 75° und 132,5° östl. L. Seine östliche Grenze bildet mit der Ausnahme der Stelle, wo die Halbinsel Korea ansetzt und die russische Küstenprovinz Ostsibirien sich vorlegt, das Stille Meer, das dort, von Süden nach Norden, den Namen Chinesisches, Ost- und Gelbes Meer führt. Im Norden und Nordwesten grenzt China an Rußland, im Südwesten an Nepal, das britische Indien,

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Bhutan, im Süden an Tongking und Siam.

Die Gebirge haben in der Entwicklungsgeschichte des Landes nur insofern eine Bedeutung besessen, als ein Ausläufer des Himalaja, der Nan-ling (Südkette), der durch Jünnan streicht, Kwangtung und Kwangsi nördlich begrenzt, durch Tschekiang geht, das Meer erreicht und in den Tschusan- und andern dort gelegenen Inseln verläuft, Südostchina durch einen schroffen Riegel, über den nur wenige Pässe führen,

von dem übrigen China trennt; daher die längere Unabhängigkeit und Abgeschlossen-heit dieser Landstriche. Im allgemeinen senkt sich der Boden Chinas von Westen nach Osten: das Bergland liegt westlich von dem Kantoner Meridiane bis an die Grenzen von Tibet, das Hügelland östlich von dem-selben und südlich vom Jangtsekiang; nordöstlich von diesem Strome liegt die große Ebene, der fruchtbarste Teil des Landes.

In Tschili, Schansi, Schensi und Kansu herrscht Löß vor, jener eigentümliche gelbe Lehm, der, zuerst 1864 von Pumpelly beschrieben, auf Niederschläge aus Süßwasserseen zurückgeführt wurde; aber mit Richthofen ist anzunehmen, daß, abgesehen von den Stellen, wo er als Niederschlag in Salzsteppenbecken (Seelöß) auftritt, der Löß sich unter der Atmosphäre niedergeschlagen habe. Die oft viele hundert Fuß tiefen, senkrechten Schluchten des Löß erschweren die Verbindung ungemein; doch bieten sie der Bevölkerung insofern einen Vorteil, als in die Wände zahlreiche Wohnungen, oft ganze Dörfer eingeschnitten sind. Wo genug Regen fällt, ist der Löß außerordentlich fruchtbar, dafür fehlt dem Bewohner fast jede Möglichkeit künstlicher Bewässerung.

Wichtiger als die Berge sind für China die Flüsse geworden, besonders die drei großen, das Reich von Westen nach Osten durchströmenden: der Hoangho, der Jangtsekiang und der Tschukiang. Der Hoangho ("Gelbe Fluß"), wegen seiner häufigen Dammbrüche und der dadurch verursachten Überschwemmungen, die angeblich neunmal von einer vollständigen Veränderung seines unteren Laufes begleitet waren, auch "Chinas Kummer" genannt, entspringt südlich vom Kwenlunggebirge in der Ebene von Odontala, durchfließt Nordchina in einer Länge von über 4800 km und hat ein Bewässerungsgebiet von annähernd 1 211 700 qkm. Dem Laufe des Hoangho sind wahrscheinlich die ersten Einwanderer gefolgt, deren Nachkommen wir heute Chinesen nennen; in seinem Tale hat sich ein großer Teil der alten und mittleren Geschichte Chinas abgespielt. Seit 1852 ergießt sich der Hoangho in den Golf von Petschili, während er vorher südlich von der Halbinsel Schantung in das Gelbe Meer floß. Für die Schiffahrt ist er der Strömungsverhältnisse wegen fast ohne Bedeutung.

Der Jangtsekiang (nur im unteren Laufe von Nanking an, wegen Jangtschau, so bezeichnet) heißt in seinem oberen Laufe Kin scha kiang (Fluß des goldenen Sandes), im mittleren nur Kiang oder Takiang (Fluß oder Großer Fluß) und von Wutschang an gewöhnlich Tschangkiang (Langer Fluß). Er entspringt auf der Tanglakette, kaum 160 km von den Quellen des Hoangho und Kwenlun, und durchströmt mit einer Länge von reichlich 5100 km die Mittelchina bildenden Provinzen von Sz'tschwan, Hupeh, Anhui und Kiangsu. Sein Wasserbecken schließt über 1 402 000 qkm ein. Er ist der bedeutendste Verkehrsweg Chinas; an ihm liegen Städte wie Nanking, Hankau, Wutschang, Itschang und Tschungking. Seine Wassertiefe gestattet großen Dampfschiffen bis Hankau zu gehen, und wohl noch weiter, wenn einmal ein Kanal die Stromschnellen zwischen Itschang und Tschungking umgeht.

Der Tschukiang (Perlfluß), der aus Jünnan kommt und sich aus dem Ost-, Nord- und Westflusse zusammensetzt, von denen der letzte, der Sikiang, der bedeutendste ist, durchströmt Südchina und erreicht unterhalb Kantons das Meer; seine Bewässerungsfläche wird auf mehr als 332 000 qkm geschätzt.